Ein verwirrender Roman über Enden und Neuanfänge.

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"Nun, da ich mein geliebtes Haus verkaufen und verlassen werde, muss ich mir eingestehen, dass ich mehr nie wissen wollte, niemals tiefer bohren. (...) Wir waren hierhergekommen auf der Suche nach einem ortlosen, überzeitlichen Paradies, einem, das sogar wir uns leisten konnten."
7. Kapitel
Seit ihrer Kindheit, den Besuchen bei Tante Hupfi und Onkel Walter im Waldviertel, träumt unsere namenlose Protagonistin von einem kleinen Wochenendhäuschen, in Alleinruhelage. In ihrer zweiten Ehe erfüllt sich ihr Traum, nach dem Mauerfall in den neuen Bundesländern.
Die ehemalige Waldschänke, ein eigenwilliges wie heruntergekommenes Häuschen. Mit bescheidenen Mitteln und noch geringerem Geschick haben sie versucht, es etwas wohnlicher zu gestalten. Doch auch die Behörden in dem neuen, vereinigten, doch irgendwie geteilten Deutschland machen es ihnen nicht gerade einfach.
Jetzt, viele Jahre später, will sie das Haus verkaufen. Die Kinder groß, die Ehe geschieden, verbringt sie noch mal Zeit dort, entrümpelt. Dabei findet sie nicht nur alte Gegenstände, sondern auch lange verschüttete Erinnerungen. An die eigenwilligen Nachbarn in der Datschensiedlung, samt ihrem Vorsitzenden Walter. An die Jahre, als die Kinder klein waren, man im See schwimmen konnte, an später, als zwei polnische Arbeiter ihr halfen.
Ich habe gerne einen Namen und ein Gesicht zu meiner Protagonistin, das hat mir hier ein wenig gefehlt. Sie spricht mit dem Haus, sagt ihm manchmal auf den Kopf zu, wie schwierig es war. Dabei springt sie so durch Zeit und Raum, auch der neue Verflossene, Habibi genannt, mit dem sie in Knäuelschlaf verfällt, kommt immer wieder vor.
Gerade dieser "Knäuel" ist das Wort, das bei mir hängen geblieben ist. Die ganze Geschichte bleibt für mich ein unaufgedröseltes Knäuel aus zu vielen unterschiedlichen Fäden. So entzückend ich die direkte Rede an das Häuschen gerichtet fand, so wenig konnte ich mit den "Scht´is" anfangen, als die sie ihre ländlichen Nachbarn eher abwertend bezeichnet oder das ohne erklärende Worte verwendete "Habibi" für ihren Expartner.
Sie kommt gebürtig aus Wien, ein Kriegsenkel, jüdisch, selbst eine Fremde in der Fremde, bringt dadurch nochmal einen anderen Blick auf das vereinte Deutschland, aber auch eine Härte und rasche Verurteilung ihrer Mitmenschen, die mich manchmal verwunderte. So springt die Erzählung auch in die österreichische Vergangenheit, wie etwas zu einem erfolgreichen Arzt mit fragwürdiger Vergangenheit.
Auch die neue deutsche Geschichte findet eine große Bühne, die Begegnung mit einer "besonders roten Socke", doch sie wagte es nie, genauer nachzufragen.
Ich fand die kurzen Einblicke interessant, aber auch sie waren so wahllos gesetzt und bruchstückhaft, dass für mich mehr Fragen als Antworten blieben.
Schade, denn die Beschreibungen des Häuschens, der Bäume ringsum, die Momente am See, das Fahren mit dem geliebten Boot, hat wunderschöne Bilder in mir erzeugt. Die Handlung konnte mit der Sprache nicht mithalten.
Fazit:
Ein verwirrender Roman über Enden und Neuanfänge.