Eine Österreicherin zwischen Ost und West
Eine ehemalige Gaststätte an einem vorpommerschen See gelegen wird das neue Feriendomizil und später wichtiger Rückzugsort für eine österreichische Schriftstellerin. So ruhig und allein das Häuschen gelegen ist, so bunt gemischt und archetypisch ist das Figurenpersonal, welches das Haus und die Umgebung bevölkert und bebaut. So lernen wir die wunderbare moldawische Alla und ihren polnischen Mann Bolek kennen, die der Schriftstellerin dabei helfen, das Haus auf Vordermann zu bringen. Und da gibt es diese weit verzweigte ostdeutsche Variante der Sch‘tis, die im nahegelegenen Datschenwohngebiet ansässig sind und ihr das Leben schwer machen. Und da sind noch viele mehr aus Vergangenheit bis zur Gegenwart, die das Leben der Schriftstellerin und die Belange des Hauses prägen. Es liest sich ganz wunderbar und leicht. Man möchte am liebsten noch mehr davon, aber das Haus wird verkauft und alles muss ein Ende haben.
„Alleinruhelage“ ist mein bisher liebstes Buch von Eva Menasse geworden. Mit ihrer einmaligen, klugen Sprache erfasst Menasse in nur wenigen Sätzen ganze Zusammenhänge und spiegelt historische Umbrüche präzise wider genauso wie kleinste Eigenarten ihrer Figuren. Es ist eine wahre Freude dieses Büchlein zu lesen und dadurch viele Nuancen des Lebens in einer Feriensiedlung in der ostdeutschen Provinz zu entdecken.
Dabei blitzen immer wieder kraftvolle Sätze hervor, die man nicht mehr vergessen will. Wie diese knackige wie treffende Erkenntnis zur Zeit ca. 10 Jahre nach Wende:
„Für den Osten war es eine finstere, gewalttätige Zeit, in der man zuließ, dass bergeweise Hoffnungen zertrümmert wurden, Weltvertrauen, Lebensläufe. Die Folgen hängen dem Land bis heute nach.“ (S. 26)
Oder wenn es um die Aneignung von Ländereien, Gebäuden und Firmen in der ehemaligen DDR durch Westdeutsche mit etwas Kleingeld geht:
„Es war ein Lehrstück über Umbruchzeit, Gier und die Ungerechtigkeiten, die eine veränderte Rechtslage automatisch mit sich bringt; ein Lehrstück exerziert an Menschen, die sich den Kapitalismus gewünscht hatten wie Durstige ein paar Schluck Wasser und stattdessen eine Sturzflut bekamen.“ (S. 30)
Es ist als ob die geborene Österreicherin, seit zwanzig Jahren in Berlin lebende, Menasse genau den richtigen Abstand und genau die richtige Nähe zur Region und zum Thema hat, um diese Gemengelage zu streifen und so vorzüglich in kleinen Momenten festzuhalten.
Ich habe das Buch wirklich sehr gern gelesen und in kürzester Zeit eingesogen. Nur hätte ich gern noch ein bisschen länger in diesem assoziativen Bild mit dem Haus im Zentrum verweilt, bevor das Haus schlussendlich verkauft werden wird, wie schon im ersten Satz des Romans angekündigt: „Haus, ich verkaufe dich.“
4,5/5 Sterne
„Alleinruhelage“ ist mein bisher liebstes Buch von Eva Menasse geworden. Mit ihrer einmaligen, klugen Sprache erfasst Menasse in nur wenigen Sätzen ganze Zusammenhänge und spiegelt historische Umbrüche präzise wider genauso wie kleinste Eigenarten ihrer Figuren. Es ist eine wahre Freude dieses Büchlein zu lesen und dadurch viele Nuancen des Lebens in einer Feriensiedlung in der ostdeutschen Provinz zu entdecken.
Dabei blitzen immer wieder kraftvolle Sätze hervor, die man nicht mehr vergessen will. Wie diese knackige wie treffende Erkenntnis zur Zeit ca. 10 Jahre nach Wende:
„Für den Osten war es eine finstere, gewalttätige Zeit, in der man zuließ, dass bergeweise Hoffnungen zertrümmert wurden, Weltvertrauen, Lebensläufe. Die Folgen hängen dem Land bis heute nach.“ (S. 26)
Oder wenn es um die Aneignung von Ländereien, Gebäuden und Firmen in der ehemaligen DDR durch Westdeutsche mit etwas Kleingeld geht:
„Es war ein Lehrstück über Umbruchzeit, Gier und die Ungerechtigkeiten, die eine veränderte Rechtslage automatisch mit sich bringt; ein Lehrstück exerziert an Menschen, die sich den Kapitalismus gewünscht hatten wie Durstige ein paar Schluck Wasser und stattdessen eine Sturzflut bekamen.“ (S. 30)
Es ist als ob die geborene Österreicherin, seit zwanzig Jahren in Berlin lebende, Menasse genau den richtigen Abstand und genau die richtige Nähe zur Region und zum Thema hat, um diese Gemengelage zu streifen und so vorzüglich in kleinen Momenten festzuhalten.
Ich habe das Buch wirklich sehr gern gelesen und in kürzester Zeit eingesogen. Nur hätte ich gern noch ein bisschen länger in diesem assoziativen Bild mit dem Haus im Zentrum verweilt, bevor das Haus schlussendlich verkauft werden wird, wie schon im ersten Satz des Romans angekündigt: „Haus, ich verkaufe dich.“
4,5/5 Sterne