Erinnerung und Aufbruch - Sehr schöne Sommerlektüre!

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johannaberger Avatar

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Ein Immobilienroman.
Die Geschichte über ein Haus am See in Ostdeutschland. Für Makler ein sogenanntes „besonderes Objekt“. Es ist Erinnerungsort, Ansprechpartner. Es birgt Konfliktpotenzial.
Ein Abschied und ein Aufbruch und ganz viel dazwischen. Leichtfüßig. Ein bisschen wehmütig, oft humorvoll, manchmal böse. Ein erfrischendes Buch, ganz nach meinem Geschmack. Lektüre für Nachmittage am See, im Schatten von Bäumen, in „Alleinruhelage“. Ein Wort, das nach Aussage von Eva Menasse in österreichischen Immobilienanzeigen verwendet wird.
Hier bezeichnet es das Haus in Vogelsang, das die Erzählerin und ihr Mann für den Abstand zur Großstadt kaufen. Es überlebt die Ehe. Kinder werden groß, Freunde kommen und feiern, eine neue Liebe erwacht und versiegt. Zu DDR-Zeiten war es ein kleines Gasthaus. Eine moldawische Baufrau und ein polnischer Frührentner erweisen sich als unentbehrlich für die Renovierung.
Zwei Anläufe braucht sie, bis sie imstande ist, das Haus zu verkaufen, mit dem sie so viele Erinnerungen verbinden. Die Kämpfe mit der uralten Wasserpumpe, dem Rasen und den Wühlmäusen. Kindheitserinnerungen werden assoziativ eingestreut (mit Figuren, die man bereits aus ihrem Roman „Vienna“ kennt), Familiengeschichten aufgeweckt. Beim Aufräumen findet sie die Dinge ihrer Vergangenheit im Haus: Reste eines Planschbeckens, Sandspielzeug, eine alte Männerunterhose, die schnell vor dem Immobilienagenten versteckt wird.
Das Buch ist Zwiesprache mit dem Haus, Innenschau. Er zeigt gleichzeitig die Auseinandersetzung mit der Außenwelt, der unübersehbaren Zeitgeschichte ringsum.
Menasses Roman ist eine mal ruhig dahinfließende, mal auch dahinhüpfende, vor- und zurückspringende Erzählung oft mit mündlichem Sprachgestus, gegen allzu viele Nostalgiegefühle für die „Alleinruhelage“, die nicht allein und zuweilen auch nicht ruhig ist.
In einem vorangestellten Brief an die Buchhändlerinnen und Buchhändler (im Leseexemplar) betont Menasse, sie habe keine Autobiographie geschrieben: „Die Erzählerin, die als Österreicherin zwischen all den erbittert verteidigten Ossi- und Wessi-Stühlen sitzt, ähnelt mir vermutlich in manchem. Aber das bin dennoch nicht ich, vergessen Sie’s.“
Leseempfehlung!