Ganz anders, als erwartet

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lesemadi Avatar

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Der Roman lässt mich am Ende irgendwie mit ziemlich gemischten Gefühlen zurück. Es war irgendwie ganz anders, als ich erwartet habe.

Die Story dreht sich um eine Frau, die nach gut 20 Jahren ihr Wochenendhaus an einem See in Brandenburg verkauft und dabei auf ihr Leben und ihre Familie zurückblickt.
Was ich richtig toll fand, ist der Schreibstil: Die Autorin kann verdammt gut schreiben, findet tolle Metaphern und haut Sätze raus, die im Kopf bleiben. Weil die Hauptfigur aus Wien kommt, hat sie einen coolen, neutralen Blick auf das ganze Ossi-Wessi-Ding in der Nachbargegend und erzählt immer wieder witzige Anekdoten über die Nachbarn aus der alten Datschensiedlung oder die polnischen Handwerker.

Allerdings macht es das Buch einem nicht gerade leicht. Die Erzählweise ist total sprunghaft und unchronologisch wie ein Tagebuch, sodass man bei den vielen Beziehungen der Protagonistin schnell mal verwirrt den Faden verliert. Dazu kommt, dass die Ich-Erzählerin ziemlich arrogant rüberkommt: Sie lästert viel, schaut ein bisschen auf die Landbevölkerung herab und lässt einen als Leser total auf Distanz. Es fehlt einfach an echter Zuwendung und Gefühl, weshalb alles etwas unverbindlich bleibt.
Wer Bock auf eine poetische, etwas chaotische Familiengeschichte mit viel Nachwende-Vibe hat, für den ist das Buch trotzdem ein guter Griff!