Gelungene Mischung

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ellinorliest Avatar

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Ich lese mir Klappentexte immer durch, sobald ein neues Buch bei mir einzieht. Bis ich mit dem Lesen dann tatsächlich beginne, habe ich das meiste davon jedoch längst wieder vergessen. So wusste ich bei Alleinruhelage nicht mehr recht viel, außer, dass es um ein Haus handelte. An ein Buch mit wenig Vorstellungen und daher auch unvoreingenommen heranzugehen ist allerdings häufig die beste Methode. Alleinruhelage hat mich daher sehr positiv überrascht und war gleichzeitig auch ganz anders als erwartet.
Eva Menasse erzählt von einem Haus. Genauer gesagt erzählt sie anhand eines Hauses die Lebensgeschichte einer Frau: Das Haus steht in Mecklenburg-Vorpommern irgendwo im Nirgendwo. Die Familie kaufte es irgendwann in den Neunzigern, renovierte es und verbrachte viele schöne Tage dort. Nun ist die Beziehung zu Ende, die Kinder sind aus dem Haus und die Frau möchte das Haus verkaufen. Dabei lässt sie ihr Leben Revue passieren, das Haus spricht sie direkt mit „Du“ an.
Alleinruhelage behandelt unglaublich viele Themen, wirkt dabei aber nie überfrachtet. Von Altnazis über Rote Socken, Abschottung gegenüber Fremdem, Umweltschutz, unterschiedliche Menschenschläge, Fehlgeburten etc., das Buch erzählt einfach wahnsinnig viel.
Auch sprachlich gesehen ist Alleinruhelage besonders. Es gibt viele Anspielungen, teilweise ist es intellektuell herausfordernd. Dann wird es plötzlich wieder komplett anders, die Frau nennt eine Aktion selbst eine „beschissene Idee“. Gerade diese Gegensätze gefielen mir besonders. Außerdem gibt es sehr viel Humor und die komplette Gefühlsklaviatur wird bedient.
Lediglich der Schluss konnte mich nicht ganz überzeugen.