(K)Ein Haus fürs Leben

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
tinten_fischchen Avatar

Von

“Alleinruhelage” ist ein Buch, das mich ein wenig ambivalent zurückgelassen hat. Dabei hätte das Cover mir schon eine Warnung sein sollen. Stellt das Bild nun ein Paradies dar? Oder einen Alptraum? Oder beides?

Hier kurz und knackig die Fakten: Eva Menasse kann schreiben. Der Einstieg, ach was das ganze erste Kapitel ist ein Traum. Jedes Wort sitzt, Sätze für die Ewigkeit. Leider neigt die Ich-Erzählerin zum Lästern und ist mir daher zuwider und ganz und gar unsympathisch. Neben dem Lästern schafft sie es auch nicht, auf andere Menschen zuzugehen, abgesehen von ihren Freunden, die sie mit den köstlichen Anekdoten der Leute aus dem Osten unterhält. Quasi die Städterin, die auf die ungehobelte Landbevölkerung herab schaut und auch stark auf Abgrenzung Wert legt. Leider ist alles ziemlich schwarz-weiß, die Welt in “Alleinruhelage”. Aber vielleicht ist das Leben in Vogelsang ja so simpel, was weiß den ich. Aber als Leser sind mir die komischen Nachbarn oft sogar sympathischer als die Freunde der Ich-Erzählerin.

Dadurch, dass ich mich mit der ich-Erzählerin schwer tat, kam ich nur langsam voran. Erst das letzte Drittel, als sie endlich Verantwortung für das Haus übernimmt und die ganze Arbeit nicht mehr nur auslagert, konnte ich mich wieder ein wenig mit dem Buch versöhnen.

Der Stil, das szenische, anekdotische, sprunghafte und poetische, ist natürlich nicht jedermanns Sache. Teils erinnert es an Tagebucheinträge, teils an Anekdoten, die man sich bei einem Glas Wein erzählt. Ich lese solche Texte aber ganz gerne, wenn sie gut gemacht sind. Und handwerklich gibt es an Eva Menasses Text nichts auszusetzen, sie beherrscht das nichtlineare, eher fließende Schreiben wunderbar. Ein paar Szenen und Metaphern sind mir auch in Erinnerung geblieben und werden mich sicherlich noch länger begleiten.