Klug und stimmig

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merkurina Avatar

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Seitdem ich ganz zufällig vor Jahren den Roman „Quasikristalle“ von Eva Menasse las, bin ich gespannt auf ihre Produktion. Diese Entdeckung damals hat mir wahnsinnig gut gefallen. Und „Alleinruhelage“ ist das Buch der Autorin, das mir mindestens genauso gut gefällt.

Eine Frau trennt sich von einem Haus, das in einer Quasi-Idylle am See, irgendwo im Berliner Umland liegt. Ein Haus, das einer Familie gehörte, die es nicht mehr gibt, die hier keine gemeinsamen Ferien mehr verbringt; die Statthalterin vergangener Tage und Rückzüge ist die Frau, die erzählt.

Es ist so schön zu lesen! Die Ich-Erzählerin schweift in die Familienvergangenheit und in ihre dem entwachsene Gegenwart, erzählt eine Geschichte der Bindungen und einer weiblichen Emanzipation. Das ist sanft und eindringlich, poetisch und reflektiert … und manchmal total witzig. So zum Beispiel gleich zu Anfang, wenn sie dem osteuropäischen Handwerkerpaar, das ihr bei der Renovierung unter die Arme greift, einen großen Auftritt verschafft.

Menasses Ton und Sujet erinnert in diesem Buch sehr an Doris Knecht, wunderbare österreichische Literatur mit einem Hauch von Ich-Fiktion.

Besonders beeindruckt hat mich die Beschreibung ost-westdeutscher Verquickung und Verwerfung. Sehr klug, was die Österreicherin mit Berliner Wahlheimat da auffasst und zeigt. Inmitten eines Gebietes, das von ostdeutschen Datschen und gekränkten Menschen geprägt ist, versucht sie deren Recht und auch ihr eigenes zu wahren.