Mehr als nur vier Wände

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thomsen_ Avatar

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Gleich der erste Satz hat mich gepackt. Ein Haus wird angesprochen wie ein alter Freund. Das wirkt zunächst ungewöhnlich, fühlt sich aber nach wenigen Zeilen vollkommen selbstverständlich an. Schnell wird klar, dass es nicht um ein Gebäude geht, sondern um alles, was sich über Jahre darin angesammelt hat: Erinnerungen, Beziehungen und Verletzungen.
Besonders gefallen hat mir der Ton des Romans. Eva Menasse verbindet Traurigkeit mit trockenem Humor, ohne dass eines das andere verdrängt. Szenen wie der erste Besuch mit dem Makler oder die Begegnung mit Alla und Bolek sind gleichzeitig komisch und berührend. Gerade diese Mischung macht die Figuren lebendig.
Die Sprache wirkt dabei nie aufgesetzt. Sie beobachtet genau und findet Bilder, die lange nachklingen. Während andere Romane ein großes Ereignis brauchen, entsteht hier Spannung allein aus Erinnerungen und den Menschen, die sie mit sich tragen. Nach dieser Leseprobe interessiert mich vor allem, welche Geschichten dieses Haus noch bewahrt und warum der Abschied davon so schwerfällt.