Präzises Beobachten, kluges Abschweifen
"Haus, ich verkaufe dich." (S. 7)
Das ist nicht nur der erste Satz des neuen Romans "Alleinruhelage" von Eva Menasse, sondern zugleich ein Gedanke, der zur Entscheidung wird und damit Anfang und Ende gleichermaßen markiert. Besagtes Haus ist dabei der eigentliche Protagonist dieser Geschichte, und nun möchte seine Besitzerin es veräußern. Dabei hat sie viel Herzblut und Energie in die Renovierung sowie in das Umfeld der Siedlung investiert. Wie Häuser es oft mit sich bringen, sind sie Träger von Erinnerungen, von denen man sich nur schwer lösen kann. War das Projekt „Wochenendhaus“ von Beginn an auf Sand gebaut – oder vielmehr auf Schlamm? Der idyllische See in der Nähe des Hauses scheint jedenfalls sinnbildlich für das Kippen der Ehe unserer Protagonistin zu stehen und zugleich für das politische System, in dem sich das Haus einst befand.
Die Exil-Wienerin erzählt vom allmählichen und schließlich doch abrupten Ende einer Republik ebenso wie vom Zerfall einer Ehe. Dabei fungiert sie gewissermaßen als Vermittlerin zwischen Ost und West und versucht, hinter die Fassaden dessen zu blicken, was Menschen in ihren Datschen nur ungern preisgeben mögen. Das Private wird dabei immer wieder politisch, ohne dass der Roman sich als solcher versteht.
In der „Alleinruhelage“ – der österreichischen Steigerung des in der Immobilienbranche gebräuchlichen Begriffs der Abgeschiedenheit – lässt es sich offenbar hervorragend reflektieren: über die eigene Vergangenheit, über Menschen und über die Welt im Allgemeinen. Und nicht zuletzt darüber, dass sich Häuser renovieren lassen, Beziehungen eher nicht. Sind die Risse erstmal da, ist es meist der Anfang vom Ende, trotz Ausbesserungen an der Fassade.
Essayistische Passagen, die von Politik über Naturschutz bis hin zu Familienkonflikten reichen, lösen den Roman aus einer rein handlungsgetriebenen Struktur und machen ihn zu einem vielschichtigen, nicht plotzentrierten Text. Kleine semantische Exkurse haben mich dabei immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Insgesamt ist es diese Verbindung aus präziser Beobachtung, klugem Abschweifen und subtiler Ironie, die den Roman für mich besonders lesenswert macht.
Sprachlich und erzählerisch erinnert Menasses Roman mich an Doris Knecht und Daniela Krien. Wer diese Autorinnen ebenso schätzt wie ich, wird auch Eva Menasse lieben.
Das ist nicht nur der erste Satz des neuen Romans "Alleinruhelage" von Eva Menasse, sondern zugleich ein Gedanke, der zur Entscheidung wird und damit Anfang und Ende gleichermaßen markiert. Besagtes Haus ist dabei der eigentliche Protagonist dieser Geschichte, und nun möchte seine Besitzerin es veräußern. Dabei hat sie viel Herzblut und Energie in die Renovierung sowie in das Umfeld der Siedlung investiert. Wie Häuser es oft mit sich bringen, sind sie Träger von Erinnerungen, von denen man sich nur schwer lösen kann. War das Projekt „Wochenendhaus“ von Beginn an auf Sand gebaut – oder vielmehr auf Schlamm? Der idyllische See in der Nähe des Hauses scheint jedenfalls sinnbildlich für das Kippen der Ehe unserer Protagonistin zu stehen und zugleich für das politische System, in dem sich das Haus einst befand.
Die Exil-Wienerin erzählt vom allmählichen und schließlich doch abrupten Ende einer Republik ebenso wie vom Zerfall einer Ehe. Dabei fungiert sie gewissermaßen als Vermittlerin zwischen Ost und West und versucht, hinter die Fassaden dessen zu blicken, was Menschen in ihren Datschen nur ungern preisgeben mögen. Das Private wird dabei immer wieder politisch, ohne dass der Roman sich als solcher versteht.
In der „Alleinruhelage“ – der österreichischen Steigerung des in der Immobilienbranche gebräuchlichen Begriffs der Abgeschiedenheit – lässt es sich offenbar hervorragend reflektieren: über die eigene Vergangenheit, über Menschen und über die Welt im Allgemeinen. Und nicht zuletzt darüber, dass sich Häuser renovieren lassen, Beziehungen eher nicht. Sind die Risse erstmal da, ist es meist der Anfang vom Ende, trotz Ausbesserungen an der Fassade.
Essayistische Passagen, die von Politik über Naturschutz bis hin zu Familienkonflikten reichen, lösen den Roman aus einer rein handlungsgetriebenen Struktur und machen ihn zu einem vielschichtigen, nicht plotzentrierten Text. Kleine semantische Exkurse haben mich dabei immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Insgesamt ist es diese Verbindung aus präziser Beobachtung, klugem Abschweifen und subtiler Ironie, die den Roman für mich besonders lesenswert macht.
Sprachlich und erzählerisch erinnert Menasses Roman mich an Doris Knecht und Daniela Krien. Wer diese Autorinnen ebenso schätzt wie ich, wird auch Eva Menasse lieben.