Ruhige, atmosphärische Erzählweise
"Alleinruhelage" - laut der Erzählerin aus dem österreichischen Sprachgebrauch - ist so ruhig erzählt wie die Lage des Hauses, das Dreh-und Angelpunkt ist. Auch der Schreibstil ist sehr erzählerisch und ruhig. Auf die Reflexion des Lebens muss man sich als LeserIn einlassen. Sehr gelungen im Roman sind die Auswirkungen des Systemwechsels als historischer Hintergrund, liegt das Haus als alte Kneipe an einem See der ehemaligen DDR und soll umgewidmet werden. Das Haus brauchte eine neue Bestimmung, die juristisch Lage blieb lange eine Hängepartie - wobei das im Roman nicht im Vordergrund steht. Eigentlich sollte das Haus ein Paradies für die Familie werden - ein Paradies am See, das sie sich eben noch leisten konnten. Mit dieser renovierungsbedürftigen Kneipe erwerben sie aber auch die Nachbarschaft der Datschisten. Die Harmoniebedürftige Erzählerin wiegelt die Vergangenheit der "roten Socke" Paul als Anführerer und Unterstützer bei der Renovierung ab. Die Vergangenheit des Fleckchen Erdes bzw. der DDR bleibt von ihr -zwar bemerkt- doch eher ignoriert. Die Autorin bindet immer wieder sehr fein auch neuere politische und gesellschaftliche Themen bzw. Diskussionen - auch zu Herrn Musk und Fachkräftemangel- ein. Die wenigen wörtlichen Reden liefern Authentizität, sei es eine Form von Berlinerisch oder gebrochenem Deutsch.
Der Roman plätschert etwas dahin - er treibt vor allem in den Erinnerungen der Erzählerin, daher einen Punkt abzug.
Der Roman plätschert etwas dahin - er treibt vor allem in den Erinnerungen der Erzählerin, daher einen Punkt abzug.