Ruhiges Highlight
Tatsächlich wusste ich zu Beginn der Lektüre dieses Buches nicht wirklich, was eine "Alleinruhelage" ist. Auch wenn man es natürlich ahnt, sich irgendwie denken kann. Es handelt sich um einen Begriff aus dem Österreichischen, wo die Autorin Eva Menasse herstammt. Im Laufe ihres Lebens hat es die Protagonistin genau wie die Autorin nach (West)berlin verschlagen, von wo aus sie mit ihrer Familie nach der Grenzöffnung in den sogenannten "neuen Bundesländern" eine alte DDR Gaststätte kauft und als Sommerhaus nutzt. Dieses befindet sich in der Titel gebenden "Alleinruhelage". Zwei Jahrzehnte später durch wiederum veränderte Lebensumstände bedingt soll das Haus nun verkauft werden. Anhand dieser Situation erfahren wir rückblickend in Form von vielen kleinen Anekdoten in einem für mich unglaublich faszinierenden ruhigen, ja lakonischen Schreibstil einiges über das Leben der Erzählerin. Gerade in den Anfangszeiten der sogenannten Nachwende spielt so manche Begebenheit, Eva Menasse zeichnet großartige Charaktere, bis ins kleinste Detail wundervoll ausgearbeitet. In einer Art Gespräch mit dem Haus als personifiziertem Kommunkationspartner nimmt sie uns als Leser mit in diese Geschichten. Sie spricht das Gebäude direkt an: "Haus, ich verkaufe dich!", heißt es gleich am Anfang. Wer ein ruhiges Sommerbuch lesen möchte und nicht unbedingt eine reißerischen Roman braucht, dem lege ich "Alleinruhelage" wärmstens ans Herz. Vielleicht beruht meine eigene Begeisterung auch auf der Tatsache, dass ich selbst als "Wessi" in den Osten gezogen bin und vieles, was hier geschildert wird, wiedererkannt habe. Auf jeden Fall gibt es von mir die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung! Ich kann mir sehr gut vorstellen, das Buch noch ein weiteres Mal zu lesen. Deshalb bekommt es einen Platz in meinem "Für-immer-bleibe-Regal", was schon etwas heißen will.