Super Buch!

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matteo19 Avatar

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Das Cover und die gesamte äußere Gestaltung des Buches fallen sofort ins Auge. Sie vermitteln eine ruhige, fast schwebende Atmosphäre, die hervorragend zum melancholischen, aber dennoch leichtfüßigen Grundton des Romans passt. Das optische Zusammenspiel erzeugt genau die richtige Stimmung für eine Geschichte, die sich mit dem Rückzug aus der Hektik des Alltags beschäftigt.
Die Umsetzung des Themas ist Eva Menasse meisterhaft gelungen. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Es geht um eine Frau, die nach dem Ende ihrer Ehe ein ehemals gemeinsam genutztes Wochenendhaus in den neuen Bundesländern hütet. Anstatt ein schweres Scheidungsdrama zu inszenieren, nutzt die Autorin dieses Setting für eine vielschichtige Bestandsaufnahme. Alltägliche Herausforderungen – von handwerklichen Pannen bis hin zu skurrilen Begegnungen mit der Nachbarschaft – werden zum Katalysator für tiefgründige Erinnerungen. Besonders spannend ist hierbei der scharfsinnige Blick der österreichischen Erzählerin auf die deutsch-deutsche Geschichte und die feinen Unterschiede zwischen Stadt und Land.
Der Schreibstil ist, wie man es von Menasse kennt, von einer enormen sprachlichen Präzision und einem subtilen, herrlich trockenen Humor geprägt. Die Sätze sitzen perfekt; sie wechselt mühelos zwischen humorvollen Alltagsbeobachtungen und tiefen, philosophischen Gedanken über das Älterwerden und die Vergänglichkeit.
Die Figuren überzeugen durch ihre absolute Authentizität. Die Protagonistin wird mit all ihren Privilegien, Zweifeln und Marotten ungeschönt dargestellt. Auch die skurrilen Nebenfiguren, wie die polnischen Handwerker oder die kleingeistigen Datschenbesitzer, sind lebendig gezeichnet, ohne dabei zu bloßen Karikaturen zu verkommen.
Für mich ist das Buch besonders faszinierend, weil Eva Menasse nach ihrem großen historischen Bestseller Dunkelblum hier einen viel intimere, fast essayistische Form des Erzählens wählt. Wer ihre früheren Werke wie Quasikristalle oder Tiere für Fortgeschrittene mochte, wird auch in diesem Roman ihre scharfzüngige Beobachtungsgabe lieben.
Fazit und Empfehlung
„Alleinruhelage“ ist ein wunderbar feinsinniger, gewitzter und zugleich melancholischer Roman über das Loslassen. Eva Menasse zeigt eindrucksvoll, dass ein Abschied immer auch die Chance für einen radikalen Neuanfang birgt.
Ich empfehle das Buch allen Leserinnen und Lesern, die literarisch anspruchsvolle Gesellschaftsromane, kluge Alltagsbeobachtungen und humorvolle, aber tiefgründige Lebensgeschichten zu schätzen wissen.