Toll, aber hmm…
„Alleinruhelage“ von Eva Menasse ist für mich irgendwie ein besonderes Buch, das mich auf anhieb begeisterte und doch viel zu schnell wieder verlor. Romane über Häuser, die mit ihren Protagonist*innen eine Verbindung eingehen, die in ihren Geschichten eine gewissen Konstante bilden und eine Art Erinnerung sind, gibt es bereits einige, aber Melasse nähert sich ihm anders, sucht den Abstand, versucht sich loszulösen. „Haus, ich verkaufe dich. Ich habe dich oft direkt angesprochen, wenn ich allein kam und du da standest und mich anschautest, undurchdringlich wie ein Gott oder Götze, den man sich erschaffen hat und dessen Ausdruck man eben doch beschreiben könnte, jedes Mal ein bisschen anders, weil er ein Echo des eigenen Zustands ist: Hallo, Haus.“ sind die ersten Zeilen dieses Zwiegesprächs, dieser Aneinanderreihung von Erinnerungen an das einstige Familienidyll in der ostdeutschen Provinz. Vielleicht beschreiben diese Zeilen bereits perfekt dieses Buch, Menasse erzählt von der Beziehung einer Wienerin zu ihrem Haus, von den Renovierungen, dem Garten, der Umgebung und dessen Geschichte, sowie der deutsch-deutschen Geschichte, den Neuanfängen und dem Scheitern.
Eigentlich eine tolle, wie sehr persönliche Mischung an Themen, doch irgendwie hat mich dieser Text nach etwa hundert Seiten verloren, ich bemühte mich, wie die Protagonistin dran zu bleiben, aber dieser weitumfassende Blick und die nur schwer erkennbare Geschichte machte es mir schwer, sodass ich das Buch leider dann doch zurück auf den Lesestapel packte. Nun ja...
„Haus: Du bist Zeuge von allem gewesen, der Ehe, den Kindern, dem Ende der Ehe, den Lieben, die danach kamen, den Festen, meinen Versuchen, dich loszuwerden, meinen Versuchen, dich zu verschönern, zu reparieren, zu streichen, zu pflanzen, zu düngen und zu ernten; meiner Arbeit, dem Denken und Schreiben, das zu einem wichtigen Teil hier stattgefunden hat, beschützt und angeregt vom Streunen durch Wald und Garten. Aber nun verkaufe ich dich, diesmal wirklich.“
„Haus: Du bist Zeuge von allem gewesen, der Ehe, den Kindern, dem Ende der Ehe, den Lieben, die danach kamen, den Festen, meinen Versuchen, dich loszuwerden, meinen Versuchen, dich zu verschönern, zu reparieren, zu streichen, zu pflanzen, zu düngen und zu ernten; meiner Arbeit, dem Denken und Schreiben, das zu einem wichtigen Teil hier stattgefunden hat, beschützt und angeregt vom Streunen durch Wald und Garten. Aber nun verkaufe ich dich, diesmal wirklich.“