Über Heimat, Zugehörigkeit und Fremdsein

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
petraellen Avatar

Von

"Alleinruhelage" erzählt von einem alten Ferienhaus in der ostdeutschen Provinz, das für die Ich-Erzählerin über viele Jahre ein Rückzugsort aus dem Großstadtleben war. Mit dem geplanten Verkauf blickt sie auf diese Zeit zurück – auf Familienleben, Sommer am See und die vielen Erinnerungen, die sich mit dem Haus verbinden.
Der Einstieg über die direkte Anrede des Hauses ist sehr gelungen und hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen. Auch der Schreibstil von Eva Menasse ist angenehm klar und bildhaft, sodass sich viele Szenen gut vorstellen lassen. Besonders die Beschreibung des Hauses und seiner Atmosphäre fand ich stark.
Im Verlauf des Romans liegt der Schwerpunkt stark auf Rückblicken. Die vielen Erinnerungen aus verschiedenen Lebensphasen der Erzählerin zeigen zwar ein breites Bild ihres Lebens, wirken aber teilweise etwas sprunghaft. Dadurch bleibt die Handlung eher ruhig und entwickelt sich wenig in der Gegenwart.
Die Erzählerin selbst war für mich nicht immer leicht zugänglich, da ihre Sicht auf die Umgebung teilweise distanziert wirkt. Dennoch regt genau diese Perspektive zum Nachdenken über Heimat, Zugehörigkeit und Fremdsein an.
Insgesamt ist der Roman eine nachdenkliche Lebensbilanz über Orte, Beziehungen und Veränderungen, die vor allem durch Sprache und Atmosphäre überzeugt.