Vermeintliche Einöde am See

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towonder Avatar

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Eine Frau lernt nach ihrer Ehe ihr Ferienhaus am See noch einmal lieben, so weit so gut. Doch ansonsten fand ich den Klappentext leider etwas irre führend. Es geht nicht so sehr um die beiden Helfer, die das Haus und vor allem den Garten zunächst wieder wohnlich machen. Auch erfährt der Leser nur bruchstückhaft von den Jahren, die die Frau allein in dem Haus verbringt, bis sie sich dazu entschließt, ihre Alleinruhelage aufzugeben und doch noch einmal neu anzufangen. Und schon gar nicht geht es in diesem Buch um das Aufkeimen und dann Ausleben dieses Neuanfangs mit Mitte vierzig.

Statt dessen ist das Buch eine Auseinandersetzung mit Ich, Du, Er, Wir, Ihr und Sie, in all den unterschiedlichen Facetten, an die sich die Frau im Zusammenhang mit ihrer Familie, ihren Kindern und Eltern, ihrem späteren Geliebten, ihren Freundinnen, den fleißigen Helfern, den Nachbarn aus der Datschensiedlung oder dem Dorf erinnert. Es geht um Ossis und Wessis, um die österreichische Protagonistin, die durch ihre Herkunft noch weiter außen vor steht, als die Westdeutschen, um alte Stasis und neue Wahlen, um wohnen, wie man möchte, um Umwidmung vom Landschaftsschutzgebiet, um Besitz und Verantwortung und so vieles mehr. Ja, es ist ein vielschichtiges Buch. Dennoch kann ich nicht umhin zu denken, dass der Beginn des Buches, gerade die beiden witzigen, zupackenden Helfer Alla und Bolek, und die Andeutungen über ihre weiteren Arbeiten am Haus mich auf eine falsche Fährte geführt haben. Letztlich sind auch diese beiden, obwohl Bolek die Protagonistin zunächst überreden kann, das Haus noch eine Weile zu behalten, nur Randfiguren.

Und selbst die Hauptfigur blieb mir fremd. Ich habe nicht verstanden, warum sie nach ihrer Ehe gut 10 Jahre mit ihrem Haus in der scheinbaren Alleinruhelage, 200 Meter von einer Datschensiedlung mit sage und schreibe 40 Häusern entfernt, glücklich ist und was dann der Auslöser oder auch die kleinen Begebenheiten waren, die zu dem Entschluss geführt haben: Haus, ich verkaufe dich. All die Erinnerungen, die in dem Buch zwischen den beiden Ansprachen an das Haus, eine als Ankündigung, eine als Abschied, passieren, lassen in mir ein Gefühl von Unverbindlichkeit zurück. Und es mag sein, dass die Autorin genau das beabsichtigt hat, und eine „gewitzte Reflexion“ über unseren Zeitgeist verfasst hat. Über eben diese Unverbindlichkeit: in der Liebe ebenso wie z.B. in der Hilfe dem Jungen im Wald gegenüber. Ein paar schöne Sommertage, bzw. einen Abend lang, nicht länger, dauert sie an. Sich wirklich einlassen auf Menschen würde schließlich bedeuten, sich ihnen zuzuwenden. Und von Zuwendung gibt es in diesem Buch leider viel zu wenig! Dennoch mag es lesenswert sein für Personen, die sich mit der Nachwendezeit beschäftigen.