Was kommt nun?
Der Roman hat eine außergewöhnliche Erzählweise, die sich auch im Verlauf der Themen verändert. Für Leser*innen braucht es etwas Zeit, um im Geschehen anzukommen, da die Erzählung zuerst unstrukturiert wirkt und nicht chronologisch erfolgt, sondern situativ, wie in einem Gespräch, in dem man von einem Thema zum nächsten hüpft und irgendwann später wieder darauf zurückkommt. Die Sprache ist zu Beginn fast distanziert, ansonsten detailliert, gewisse Szenen finde ich zu ausufernd, wie die Details der Renovierungen und stellenweise ist es auch ironisch, was mir besser gefallen hat. Das Wochenendhaus steht im Mittelpunkt der Geschichte, zeitweise wird es wie ein eigener Charakter behandelt. Man erfährt über das Haus auch vieles aus dem Leben der Ich-Erzählerin, vom Erwerb des Hauses an über die etwa 20 Jahre, in denen sie mit ihrer Familie, mit Freund*innen und manchmal auch alleine Tage oder Stunden darin verbracht hat. Die Geschichten über die Nachbarschaft und die Handwerker waren mir zu wenig tiefgreifend, dafür zu detailliert und ausufernd, dafür waren die emotionalen Erzählungen über das Ende ihrer letzten Beziehung wütend, melancholisch, da vermute ich mehr dahinter als reine Fiktion, diese Teile hatten eine viel persönlichere Note als andere Kapitel. Aber nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die Ich-Erzählerin und auch das Haus bekommt neue Besitzer. Wohin sich die Ich-Erzählerin weiter entwickeln möchte oder was sie in der Zukunft plant, bleibt relativ offen, was ich schade finde, hier hätte ich mir noch einen kleinen Ausblick gewünscht. Manche Kapitel konnten mich fesseln und ich hätte gerne noch viel mehr davon gelesen, andere wiederum haben mich gar nicht angesprochen, daher bleibt mein Lesevergnügen im Mittelfeld.