Gnadenlos Spannend!

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Das Cover von Alles ihre Schuld zieht sofort den Blick auf sich: die scheinbar friedliche Wohnstraße im Abendlicht, darüber der harte Titel in großen schwarzen Lettern – dieser Kontrast wirkt ausgesprochen wirkungsvoll. Schon optisch entsteht das Gefühl, dass hinter der gepflegten Fassade einer wohlhabenden Nachbarschaft etwas Dunkles, Verstörendes lauert.
Die Leseprobe hat mich unmittelbar gepackt. Andrea Mara beginnt mit einer alltäglichen Situation, die jede Sicherheit innerhalb weniger Minuten zerbrechen lässt: Marissa will ihren kleinen Sohn Milo nach einem Playdate abholen – doch an der angegebenen Adresse kennt ihn niemand. Aus höflicher Irritation wird erst Unruhe, dann blanke Panik. Gerade weil alles so realistisch und unspektakulär beginnt, geht die Szene besonders unter die Haut.
Der Schreibstil ist klar, präzise und sehr spannungsvoll. Die Angst der Mutter wird nicht überzeichnet, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt, wodurch man Marissas Hilflosigkeit beinahe körperlich spürt. Auch die Nachbarschaft mit ihren unausgesprochenen Urteilen, kleinen Spitzen und verborgenen Vorurteilen wirkt erschreckend glaubwürdig.
Ich würde das Buch unbedingt weiterlesen, weil die Leseprobe einen psychologisch klugen Thriller verspricht, der nicht nur von einem verschwundenen Kind erzählt, sondern auch von Vertrauen, Schuld, sozialem Schein und der Frage, wie gut man die Menschen um sich herum wirklich kennt.