Das falsche Playdate

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
kahabooks Avatar

Von

Der Thriller startet mit einem wahrgewordenen Alptraum für Eltern, denn der vierjährige Milo ist verschwunden. Mutter Marissa möchte ihn von einem vereinbarten Playdate abholen, aber die Adresse, die sie erhalten hat, stimmt nicht. Sämtliche logischen Erklärungsversuche verpuffen innerhalb kürzester Zeit und entpuppen sich als Sackgassen. Spätestens als die Polizei hinzugezogen wird, müssen die Eltern Marissa und Peter erkennen, dass hier kein Versehen vorliegt, sondern jemand sehr gezielt vorgegangen ist und falsche Fährten gelegt hat.

Mit dieser beklemmenden Ausgangssituation sorgt die Autorin für einen gelungenen Einstieg, da die Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung der Eltern durchweg spürbar sind.

Nachdem die Autorin auf wenigen Seiten viele Fragen hinterließ, flachte das Buch aber leider deutlich ab. Da es keine neuen Erkenntnisse gibt, wo Milo abgeblieben ist und was hinter der Entführung steckt, tritt das Buch auf der Stelle und die Ermittlung zu seinem Verbleib verliert an Schwung. Stattdessen verschiebt sich der Fokus nun weg von der eigentlichen Suche und hin zu der emotionalen Ebene aller Beteiligten.

Weiterhin ist Marissas Panik, Machtlosigkeit und zermürbende Ungewissheit spürbar. Gleichzeitig sehen sich Milos Eltern mit der spürbaren Distanz ihres sozialen Umfelds konfrontiert. Zwar betonen andere Eltern immer wieder ihre Bereitschaft zu helfen, doch auf die Worte folgen kaum Taten. Vor allem Jennys emotionale Zerrissenheit rückt zunehmend in den Fokus der Handlung. In ihrem Namen wurde das Playdate zwischen ihrem Sohn und Milo vereinbart, sodass sie unter Verdacht gerät, indirekt in Milos Verschwinden involviert zu sein. Sie sieht sich Anschuldigungen und Anfeindungen ausgesetzt, die sie stark mitnehmen. Obwohl ihre Sorge um Milo und ihre ehrliche Betroffenheit glaubwürdig vermittelt werden, wirken ihre anhaltenden Schuldgefühle stellenweise etwas ermüdend.

Da es an neuen Erkenntnissen mangelte und die Handlung sich nicht weiterentwickelte, war mir dieser Abschnitt persönlich zu lang. Ich musste aufpassen, nicht das Interesse an der Geschichte zu verlieren. Erst ab etwa der Hälfte des Buches nimmt die Spannung wieder deutlich zu. Neue Entwicklungen bringen frischen Schwung in die Handlung und sorgen dafür, dass sie nun erneut fesselt. Das hat das Buch für mich letztlich auch gerettet und dazu beigetragen, dass ich nun bis zur letzten Seite weiterlesen wollte und die Auflösung gespannt verfolgt habe.

Auch wenn es nicht in die Bewertung des Buches einfließt, möchte ich zumindest erwähnen, dass ich den Titel sehr irritierend finde und er mich nach dem Lesen eher ratlos zurückgelassen hat. Mir erschließt sich nicht, auf wen sich das „ihre“ in Ihre Schuld beziehen soll, da sich für mich kein schlüssiger Zusammenhang ergibt. Auch die Ankündigung auf dem Cover einer „Nachbarschaft voller Geheimnisse“ empfinde ich als zu übertrieben, da die dadurch geweckten Erwartungen nur bedingt erfüllt werden.

Fazit: spannender Auftakt, emotionaler Mittelteil bevor die Spannung wieder deutlich anzieht und das Buch zur Stärke vom Einstieg zurückfindet.