Große Spannung, aber das Finale ist überladen

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Andrea Mara entfaltet ihren Thriller äußerst strukturiert und leserfreundlich durch geschickte Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen und unterschiedlicher Charakterperspektiven.
Im Zentrum steht dabei die packende Entführung eines kleinen Jungen, der bei einer Verabredung zu einem Spielenachmittag spurlos verschwindet, woraufhin das Leben seiner wohlhabenden Eltern völlig aus den Fugen gerät.

Besonders erfreulich: Neben der Entfaltung von Spannung überzeugt eine vielschichtige Charakterzeichnung. Gelungen ist auch der gesellschaftskritische Blick darauf, wie das Umfeld und die Dynamiken auf Social Media vorschnell Schuldige suchen und Menschen ohne tiefere Kenntnis an den Pranger stellen.

Ich war über hunderte Seiten hinweg mit dem Roman vollauf zufrieden, bis es zum spektakulären Showdown kam. Das Ende ist zwar in keinster Weise vorhersehbar, doch auf den circa letzten 40 Seiten prasselten so viele Enthüllungen pro Minute auf mich ein, dass ich mich eher erschlagen als gut unterhalten fühlte. Für diesen finalen Tumult opferte die Autorin leider das feine, psychologische Tempo der vorangegangenen Kapitel.
Daher nur 4,5 Punkte.

Lobend zu erwähnen bleibt die Gestaltung: Das harmonische und farblich hervorragend abgestimmte Cover fängt die düstere Atmosphäre der Gattung perfekt ein.