Suche nach Milo

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
annabell95 Avatar

Von

Marissa will ihren Sohn abends von einem Playdate abholen. Doch als sie an der genannten Adresse ankommt, läuft dort alles anders. Die Frau, die öffnet, kennt weder Milo noch die angebliche Gastgeberin. Von einem Playdate weiß sie nichts. Milo ist verschwunden, und für Marissa beginnt ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit. Während die Suche immer dringlicher wird, breiten sich im scheinbar friedlichen Dubliner Vorort Gerüchte aus, und eine junge Frau gerät unter Verdacht. Hinter der Fassade des Alltags kommen dunkle Wahrheiten ans Licht, die lange verborgen waren.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Die Schilderung der Geschehnisse ist jeweils aus Sicht der jeweils handelnden Protagonisten. Das macht die Protgaonisten greifbar und gleichzeitig sorgt es dafür, dass man nie sicher ist, wem man glauben kann. Jeder verbirgt seine eigenen Geheimnisse und Schatten, dass man sich die Frage stellt: “wem kann man wirklich trauen?”.

Es ist sehr undurchsichtig. Von Anfang an lässt es sich nicht erahnen, was hinter Milos Verschwinden steckt und wie es zu dieser Tragödie kam. Durch unerwartete Wendungen und falschen Fährten baut man sich immer wieder neue Theorien, sodass es bis zum Schluss spannend bleibt. Man liest weiter, weil man unbedingt wissen will, was mit Milo passiert ist und welche Geheimnisse die Nachbarschaft verschweigt. Einzig der Mittelteil hat ein paar kleine Längen durch Wiederholungen bzw. Gedanken und Gespräche, die sich ähneln. Am Ende fügt sich alles zu einer schlüssigen, stimmigen Auflösung zusammen.

Die emotionale Ebene zu den einzelnen Protagonisten ist stark gemacht. Marissas Panik, als ihr Sohn verschwindet, ist greifbar und authentisch. Man fühlt mit ihr, spürt ihre Verzweiflung, ihre Angst und die Hoffnung.

Das Setting mit dem wohlhabenen Vorort von Dublin ist gut gewählt. Es wirkt nach außen alles makellos, doch hinter der Fassade brodeln Neid, Gerüchte und Geheimnisse.

Mein Fazit:
Atmosphärisch, emotional und clever konstruiert. Ein Thriller, der mit Perspektivwechseln, falschen Fährten und starken Figuren überzeugt. Er zeigt, wie brüchig perfekte Fassaden sein können. Ich vergebe gerne eine klare Leseempfehlung.