Schonungslos!
Nach dem Lesen des Klappentextes von "Alles Liebe" war ich sehr gespannt auf die hier präsentierte Leseprobe. Von der Autorin Ronja von Rönne habe ich noch nie etwas gehört, geschweige denn gelesen, aber die Thematik rund um die Auffassung und das Verständnis von Liebe in seiner gänzlichen Ambivalenz, hatte mich doch neugierig gemacht. Bereits das Cover ist eine kleine Demonstration, ein Fingerzeig auf das, was Liebe sein kann, wie sie sich anfühlen kann: wie ein eingeschnürtes Herz, das anatomisch betrachtet, ja dann nicht mehr richtig arbeiten kann. Und ja, so kommt mir auch die Erzählung von Laura vor. Das ist die erste Person mit ihrer Geschichte, die in der Leseprobe vorgestellt wird. Die Schülerin stand immer in der zweiten Reihe, hinter Miriam. Als sie an Krebs erkrankt, instrumentalisiert Laura sie, damit die Außenwelt sie als Wohltäterin und "echte Freundin" auch in Krankheitszeiten wahrnimmt. Die Erkrankung ihrer "Freundin", die ja im Grund gar nicht ihre Freundin ist sondern nur Mittel zum Zweck, nutzt Laura aus, um selber besser dazustehen. Krass. Sehr intensiv geschrieben. Hat sehr ambivalente Gefühle in mir ausgelöst. Laura erscheint mir durchweg negativ, aber so einige Gedankengänge kann ich nachvollziehen und sind sicher keine Seltenheit in der heutigen Gesellschaft. Helfen um selber gut dazustehen. Toxisch. Macht Lust auf die anderen Geschichten.