Schonungslos ehrlich und bittersüß

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hexenbücherei Avatar

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Das auffällige, gelbe Cover mit dem eingewickelten orangefarbenen Herzen hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt, weil es so herrlich unkonventionell und kontrastreich wirkt, genau wie der Einstieg in diese Leseprobe. Der erste Satz, dass Miriams Krebs langweilig war, hat mich regelrecht eiskalt erwischt, denn diese schonungslose, fast zynische Ehrlichkeit aus der Sicht einer Siebtklässlerin ist unerwartet und bricht sofort mit den typischen, tränenreichen Klischees von Krankheitsgeschichten. Ronja von Rönne schreibt unglaublich flüssig, atmosphärisch dicht und transportiert eine ganz feine, bittersüße Melancholie, die mich emotional sofort abgeholt hat. Die Dynamik zwischen der Erzählerin Laura und ihrer kranken Freundin Miriam ist faszinierend komplex aufgebaut, da Laura eben kein fehlerloser Engel ist, sondern ganz offen zugibt, dass sie die plötzliche Aufmerksamkeit und das Drama um Miriams Leukämie als Währung nutzt, um endlich aus Miriams Schatten herauszutreten und vor ihren Eltern und Lehrern als reif und besonders zu gelten. Diese Mischung aus tiefer Verbundenheit, kindlichem Neid und der makabren Realität im abgedunkelten All-inclusive Hotelzimmer an der türkischen Riviera macht die Charaktere unfassbar nahbar, lebendig und angenehm unperfekt. Der Spannungsaufbau funktioniert hier ganz subtil durch die unterschwellige Gewissheit, dass dieser künstliche Hotel-Kokon nur die Ruhe vor dem Sturm ist, bevor nach der Rückkehr die harte Chemo und die unbarmherzige Realität zuschlagen. Besonders die Szene, in der die beiden Teenager im Zimmer das makabre Spiel Krebs spielen oder die Fischpediküre über Miriams von Hämatomen übersäter Haut ergehen lassen, zeigt wie meisterhaft die Autorin die Balance zwischen humorvoller Leichtigkeit und bitterem Ernst hält. Ich erwarte eine emotionale Achterbahnfahrt, die tief in die Abgründe einer Teenagerfreundschaft unter extremen Bedingungen blickt und hoffentlich genau diesen ungeschönten, ehrlichen Ton beibehält, ohne in kitschiges Mitleid abzudriften. Ich möchte diesen Roman unbedingt ganz lesen, weil Lauras egoistische, aber zutiefst menschliche Gedanken mich extrem neugierig darauf gemacht haben, wie sich diese ungleiche Beziehung im harten Klinikalltag weiterentwickelt und ob ihre Freundschaft dieser massiven Belastungsprobe letztendlich standhalten kann.