Ist es wirklich alles Liebe?

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eurydome Avatar

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Ronja von Rönne hat mit Alles Liebe einen Roman geschrieben, der mich überrascht, berührt und immer wieder zum Nachdenken gebracht hat. Hinter dem eher schlichten Titel verbirgt sich keine klassische Liebesgeschichte, sondern ein Episodenroman, der zeigt, wie unterschiedlich Menschen nach Liebe, Anerkennung und Nähe suchen – und welche Wege sie dabei manchmal einschlagen.

In fünf miteinander verwobenen Geschichten begegnen wir Figuren, die alle ihre ganz eigenen Verletzungen, Sehnsüchte und Abgründe mit sich tragen. Sie handeln nicht immer sympathisch oder nachvollziehbar, wirken dabei aber erschreckend menschlich. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht den Reiz des Buches aus. Ronja von Rönne verzichtet darauf, ihre Figuren zu bewerten oder einfache Antworten zu liefern. Stattdessen überlässt sie es uns Leserinnen und Lesern, ihre Entscheidungen einzuordnen und über die feinen Grauzonen zwischen Liebe, Egoismus, Verlust und Einsamkeit nachzudenken.

Besonders gefallen hat mir der Aufbau des Romans. Zunächst scheinen die einzelnen Geschichten unabhängig voneinander zu sein, doch nach und nach fügen sie sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Diese kleinen Aha-Momente haben das Lesen für mich besonders spannend gemacht. Gleichzeitig verlangt das Buch Aufmerksamkeit – es ist kein Roman, den man einfach nebenbei liest, sondern einer, auf den man sich bewusst einlassen sollte.

Ronja von Rönnes Schreibstil ist dabei genau das, was ich an ihren Büchern so schätze: klar, direkt und dennoch voller Feingefühl. Zwischen leiser Melancholie, scharfem Humor und schmerzhaft ehrlichen Beobachtungen entsteht eine Atmosphäre, die noch nachhallt. Manche Szenen haben mich tief berührt, andere haben mich schmunzeln lassen – oft sogar beides gleichzeitig.

Einzig an manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, die Autorin würde einzelnen Figuren noch etwas mehr Raum geben, um ihre Beweggründe noch intensiver zu beleuchten. Trotzdem ist Alles Liebe für mich ein besonderes Leseerlebnis. Ein kluger, unbequemer und zugleich einfühlsamer Roman über die vielen Facetten der Liebe und darüber, wie sehr sie unser Leben prägt – im Guten wie im Schmerzhaften.