Liebe?

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Auf den ersten Blick erzählt der Roman fünf voneinander unabhängige Geschichten. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Frauen, die mit Einsamkeit, Krankheit, unerfüllten Träumen und schwierigen Beziehungen leben. Nach und nach zeigen sich erste Verbindungen zwischen den Figuren, doch erst mit der letzten Geschichte fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. In „Alles Liebe“ von Ronja von Rönne, erschienen im dtv Verlag, geht es um die vielen Facetten der Liebe – und darum, dass sie nicht immer Trost oder Geborgenheit bedeutet.

Das Buch hat uns sehr gefesselt. Jede Geschichte entwickelt ihren ganz eigenen Sog, sodass wir immer weiterlesen wollten, um zu erfahren, wie sie endet. Obwohl alle Erzählungen ernste Themen behandeln, wirken sie nie übermäßig traurig.

Besonders gelungen fanden wir den Aufbau des Romans. Während die Geschichten zunächst recht gewöhnlich beginnen, spitzen sie sich immer weiter zu, bis sie mit einem Knall enden.

Das Ende des Buches hat uns besonders beeindruckt. Mit der letzten Geschichte werden die zuvor losen Erzählungen miteinander verbunden und vieles ergibt plötzlich Sinn. Gleichzeitig bleiben einige Fragen offen, über die wir auch nach dem Lesen noch lange nachgedacht haben. Genau das macht für uns den Reiz dieses Romans aus.

Auch das Cover ist außergewöhnlich gelungen. Zunächst dachten wir, das Herz bestehe aus zwei Menschen, die sich umarmen. Doch während des Lesens bekommt das Motiv eine ganz neue Bedeutung: Man erkennt, dass das Herz von einem Faden eingeschnürt wird. Dieses Bild passt perfekt zu den Geschichten, denn die Liebe wird hier nicht als etwas Leichtes oder Tröstendes dargestellt, sondern als etwas, das auch einengen und verletzen kann.

Insgesamt ist „Alles Liebe“ ein ungewöhnlicher und klug aufgebauter Roman, der mit seinem besonderen Erzählstil und den miteinander verwobenen Geschichten lange im Gedächtnis bleibt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne Bücher lesen, über die man auch nach der letzten Seite noch nachdenkt.