Nichts ist so, wie es scheint

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dana09 Avatar

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Was für ein überraschendes und gutes Buch! Ich habe es innerhalb zwei Tagen zu Ende gelesen und konnte es kaum mehr aus der Hand legen.
Von vielen der Frauen, deren Geschichte die junge Autorin erzählt, steckt doch ein Stück in uns allen. Und irgendwie hängen doch fast alle Erzählungen zusammen – zumindest kommen die gleichen Personen darin vor.
Das krankhafte Geltungsbedürfnis der Schülerin Laura und die damit verbundenen Unwahrheiten konnte ich noch halbwegs verstehen und mit einem Schmunzeln hinnehmen. Überrascht war ich allerdings, als Laura in der letzten Erzählung als mittlerweile Erwachsene und Journalistin erneut als Hauptdarstellerin auftaucht. Das Ende ist nicht wie von Laura gewünscht, dafür hat sie sich hoffentlich die alte Weisheit „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er doch die Wahrheit spricht“ gemerkt und verinnerlicht.
Die Geschichte von Barbara dagegen hat mich berührt. Einfühlsam und voller Emotionen erzählt die Autorin die ergreifende Story einer gebrochenen, schwersttraumatisierten Mutter. Als ihre Obsession für ein Männermodell aus dem Versandkatalog zur Sprache kommt, war mir eigentlich klar, dass die Geschehnisse in den 70ern oder spätestens 80er-Jahren stattfinden müssen. Nirgends werden Jahreszahlen oder Zeitangaben genannt, alle Geschichten können so in jedem modernen Jahrzehnt vorkommen.
Lediglich die letzte Geschichte weist darauf hin, dass sich alle vorhergehenden Jahrzehnte vorher zugetragen haben.
Ronja von Rönne ist mit „Alles Liebe“ ein beachtenswerter Roman gelungen. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar. Besonders die tiefgründigen Charakterzeichnungen sind sehr gelungen. Alle Personen wirken glaubwürdig und lebendig.
Dieses Buch war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es lässt den Lesenden nachdenklich zurück und beweist einmal mehr, dass man vom äußeren Erscheinungsbild einer Person nicht auf ihr Inneres schließen darf.