Zwischen Leichtigkeit und Melancholie

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tanja_1983 Avatar

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Ronja von Rönne erzählt in "Alles Liebe" auf ihre ganz eigene Weise. Die Geschichte wirkt nach außen oft leicht und fast beiläufig, trägt aber gleichzeitig eine Melancholie in sich, die sich nach und nach entfaltet. Gerade diese Mischung hat mir gut gefallen. Das Buch lebt weniger von großen Wendungen als von seinen Beobachtungen und den Gedanken der Figuren. Besonders mochte ich den Blick auf Beziehungen. Es geht nicht nur um Liebe im klassischen Sinn, sondern auch um Familie, Freundschaft und die Frage, wie viel Nähe Menschen überhaupt zulassen können. Viele Dialoge wirken natürlich und haben einen trockenen Humor, der immer wieder kleine Lichtblicke setzt, selbst wenn die Themen ernst sind. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und liest sich leicht, obwohl zwischen den Zeilen oft viel mitschwingt. Manche Sätze haben mich innehalten lassen, weil sie Gefühle oder Situationen sehr treffend beschreiben. Gleichzeitig hatte ich manchmal den Eindruck, dass die Distanz der Figuren auch beim Lesen bestehen bleibt. Ich konnte ihre Gedanken nachvollziehen, aber emotional war ich nicht immer so nah an ihnen, wie ich es mir gewünscht hätte. Einige Passagen haben sich für meinen Geschmack etwas gezogen. Vor allem im Mittelteil fehlte mir stellenweise die Entwicklung, die mich noch stärker an die Geschichte gebunden hätte. Ich hatte das Gefühl, dass manche Themen angerissen werden, ohne ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen. Vielleicht ist genau diese Offenheit gewollt, für mich blieb dadurch aber ein kleiner Abstand bestehen. Trotzdem hat mich das Buch insgesamt überzeugt. Es erzählt ruhig, klug und mit feinem Gespür für die Unsicherheiten des Lebens. Es zeigt, dass Liebe nicht immer einfach ist und dass Menschen oft erst Umwege gehen müssen, bevor sie sich selbst oder anderen wirklich begegnen können. Vier Sterne, weil mich die Sprache und viele Gedanken begeistert haben. Für die volle Punktzahl hätte ich mir etwas mehr emotionale Nähe und eine stärkere Entwicklung der Figuren gewünscht. Dennoch ein Roman, der lange im Kopf bleibt.