Wenn die Angst im Körper laut wird

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Wer schon einmal in den Abgrund der sogenannten Krankheitsangst geblickt hat, kennt den fatalen Mechanismus: Ein harmloses Ziehen in der Brust, ein flüchtiger Schwindel oder ein leises Ohrgeräusch genügen, und das Kopfkino konstruiert blitzschnell den absoluten Ernstfall. Genau an diesem Teufelskreis setzt Christina Hillesheim an. Sie nähert sich dem Thema nicht aus distanzierter akademischer Höhe, sondern schreibt offen und ungeschönt als ehemals selbst schwer Betroffene, die jahrelang von psychosomatischen Beschwerden und Panik beherrscht wurde.

Besonders wohltuend ist die ehrliche Bodenhaftung des Textes: Anstatt falsche Wunderheilungen zu versprechen, räumt die Autorin offen ein, wie selbst nach Jahren der Beschwerdefreiheit ein simples Tinnitus-Geräusch im Ohr plötzlich alte Muster und Katastrophengedanken triggern konnte. Die bildhafte Erklärung – vom Gehirn, das normale Körpergeräusche durch panische Fehlbewertung und extremen Fokus erst ins Unerträgliche verstärkt – ist psychologisch absolut treffend und nimmt Betroffenen das quälende Gefühl des „Verrücktwerdens“. Das kleine Gedankenexperiment mit der Zitrone führt diesen Zusammenhang von Vorstellung und körperlicher Reaktion plastisch vor Augen. Auch das Schaubild zum Angstkreislauf (Symptom – Bewertung – Stress – Kontrollzwang – neue Unsicherheit) bringt die Dynamik perfekt auf den Punkt.

Ein kleiner Abzug in der B-Note bleibt jedoch nicht aus: Der lockere, sehr persönliche „Du“-Tonfall im typischen Instagram- und Podcast-Stil („Von Herz zu Herz“, Songzitate, eigene Community-Einbindungen) wirkt stellenweise etwas rührselig und weichgespült. Wer rein nüchterne medizinische Fachliteratur sucht, könnte an dieser sehr nahbaren Ratgeber-Tonalität Anstoß nehmen.

Dennoch gelingt es dem Buch hervorragend, Betroffenen ohne erhobenen Zeigefinger die Scham zu nehmen und Mut zu machen, dem Alarmsystem des Körpers nicht mehr blindlings jedes Katastrophenszenario abzukaufen.

Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterlesen, vor allem um zu sehen, welche handfesten Übungen und Werkzeuge im Praxisteil bereitstehen, um dem automatischen Googeln und In-sich-Hineinhorchen im Akutfall effektiv den Stecker zu ziehen.