Leseempfehlung
Mit „Alles wird Asche“, dem zwölften Band ihrer erfolgreichen Taunus-Krimi-Reihe rund um das Ermittlerteam von Bodenstein und Kirchhoff/Sander führt uns Nele Neuhaus in das Umfeld eines verstorbenen Tec-Milliardärs.
Was mit einer Brandleiche in einer Villa in Kronenburg und einem qualvoll ersticktem Bauunternehmer in einem Frankfurter Hochhaus beginnt entwickelt sich schnell zu einer raffiniert geplanten Mordserie.
Die Geschichte beginnt mit einem Rückblick um sich dann mit chronologisch von der Gegenwart aus weiterzuentwickeln.
Wie gewohnt wird sie aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. Als Leser erhält man so die Gelegenheit sich dem „Fall“ aus den unterschiedlichsten Richtungen zu nähern. So erfahren wir einerseits aus der Sichtweise der Verdächtigen, Involvierten, sowie des anonymen Täters ( in einer anderen Schriftart) ihre innersten Gedanken, Gefühle und Handlungsweisen und erhalten viele Puzzleteile und Andeutungen, die sich nach und nach zu einem größeren Ganzen zusammensetzten. Andererseits begleiten wir das Ermittlungsteam rund um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff/Sander bei ihrer Rekonstruktion des Falles, der Suche nach den Zusammenhängen, Motiven und natürlich dem Täter.
Gleichzeitig spielt auch das Privatleben insbesondere von Bodenstein und Kirchhoff eine nicht unbedeutende Rolle, wobei diesmal der Fokus auf Pias Privatleben liegt. Für Leser wie mich, die die Reihe verfolgen ist das ein besonderer Reiz. Diesmal waren mir persönlich Pias sich hin und wieder wiederholende Gedankengänge etwas zu viel. Diese sind ein durchaus geeignetes Mittel um Pias Arbeitsweise als intuitive Ermitteln, die im Job, wie im Privatleben über eines feines Störempfinden verfügt zu charakterieren zu veranschaulichen und so dem Leser zu verdeutlichen das sie Dinge grundsätzlich gedanklich umkreisen muss, bis die Erkenntnis in ihr reift. Für einen Reginalkrimi, der von seinen Ermittlern mit ihrem Privatleben sowie ihre kleinen Macken, sowie dem Lokalkolorit lebt, durchaus passend. Andererseits sorgten sie leider für Längen und ein Abflachen des Spannungsbogens. Da für mich der eigentliche Schwerpunkt auf dem Kriminalfall sowie den dahinterliegende Motiven liegt, waren mir diese privaten Abschweifungen doch manchmal zu viel.
Während mich die Wiederholungen beim Privatleben hin und wieder störten – galt dies nicht im Bereich der Ermittlungen, wenn die Ermittler Entdeckungen machten, oder Schlussfolgerungen zogen, die ich als Leser bereits durch andere erfahren hatte. Hier habe ich zwar als Leser einerseits einen Wissensvorsprung, anderseits erfahre ich die Details durch die Brille einer anderen Person. Dies verändert für mich jeweils die Einordnung und Bewertung. So kann ich aufgrund des Details auf Seiten der Verdächtigen Rückschlüsse auf den Charakter sowie mögliche Motive ziehen, während mir die gleichen Hinweise auf Seiten der Polizei eine ganz andere Betrachtungsweise ermöglichen. Es ist immer wieder spannend die Details daraufhin zu betrachten, wie sie den Ermittlern Rückschlüsse auf das Motiv ermöglichten oder das Ganze anhand eines kurzen Ausflugs in den Bereich der Täterpsychologie zu betrachten.
Die Charaktere sind einerseits funktional andererseits insoweit es für die Geschichte von Bedeutung ist, tief und vielschichtig ausgearbeitet. Sie gaben zumindest mir häufig einen Gedankenanstoß, sodass ich mich über die Geschichte hinaus mit einzelnen Gedanken und Themen auseinanderzusetzen. So ertappte ich mich häufiger, wie ich innehielt und mich fragte wie ich mich verhalten hätte. Oder wie sich meine Bewertung von Moral, Schuld, veränderten je nachdem aus welcher Perspektive ich ihre Handlungen betrachtete.
Besonders hängengeblieben sind mir in diesem Kontext zwei Zitate (Hörbuch Kapitel 13) mit denen ich mich länger auseinandersetzt
„Mut ist nichts anderes als der Mangel an Vorstellungskraft. Und da er grundsätzlich die Konsequenzen seines Handelns bedenken würde, könne er eben nicht guten Gewissens zustimmen.“
„Mut ist wenn man die Konsequenzen kennt und sich nicht fürchtet. Erst jetzt hatte sie sich vorstellen können was er mit dem Mangel an Vorstellungskraft meinte.“
Und auch der Titel, sowie seine Ergänzung: „Wer das Feuer stiehlt , dem wird alles zu Asche“ als Sinnbild für die Geschichte fand ich besonders gelungen und brachte mich zum Nachdenken: Wer sich etwas aneignet was ihm nicht gehört – Wissen, Macht, Vertrauen … überschreitet eine Grenze – und muss damit rechnen dass die Folgen am Ende alles zerstören und daraus Verlust, Zerstörung oder Vergeltung entsteht. Manchmal ist das, was wir unbedingt besitzen wollen, genau das, was uns am Ende zerstört.
Das Thema KI spielt zwar durchaus eine Rolle, und auch das ein oder andere aktuell viel diskutierte Thema wird angesprochen. Fokussierte sich für mich auf Ihre Bedeutung hinsichtlich der zukünftigen Ermittlungsarbeit : Wem oder was kann man trauen, wenn alles durch KI manipuliert werden kann? Kann ein perfekter Mord gelingen – wenn KI im Bruchteil einer Sekunde alle Wahrscheinlichkeiten berechnen kann?
Der Fokus bleibt bei den Beziehungen zueinander, dem Charakter der Menschen sowie deren Motiven die sie zu ihren Taten verleiten. Die Geschichte zeigt, dass zwar die Welt und insbesondere die Technik einem steten Wandel unterzogen sind. Die Motive der Menschen hingegen sich als erstaunlich zeitlos und beständig erweisen.
Die Handlung ist komplex. Wozu nicht zuletzt die Familienstruktur der Brinkoffs sowie die Verflechtungen innerhalb des Unternehmens beitrugen und erforderten einiges an Zeit. Ein Personenregister sowie der Stammbaum erleichtert es dem Leser die Verbindungen herzustellen.
Die Geschichte lässt sich angesichts der Komplexität leicht und flüssig lesen. Das Erzähltempo ist ein Wechsel aus ruhiger Ermittlungsarbeit, Einblicken in das Privatleben und immer wieder spannenden Momenten in denen die Erwartungen des Lesers auf einen weiteren Mord geschürt oder eine interessante Entdeckungen und damit ein Durchbruch erzielt werden könnte. Es gibt viele falsche Fährten (Red Herrings) seitens der Verdächtigen, Ermittlungsrichtungen die immer wieder in Sackgassen führten und letztendlich immer mehr Puzzleteile die sich nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenfügten.
Das Setting liegt wie immer im Taunus bzw. Frankfurter Raum. Für Ortskundige oder Leser die die Reihe länger verfolgen vermittelt dies immer wieder ein ganz besonderes Gefühl, sowie einen Wiedererkennungswert ( hier passierte doch XY). Die gezielt eingebauten Erinnerungen der Ermittler an vorangegangene Ermittlungen verstärkten diesen Eindruck. Gleichzeitig spielte diesmal ein weiterer Schauplatz rund um die Rekonstruktion einer Mount-Evererst Expedition eine Rolle.
Fazit:
Insgesamt ist „Alles wird Asche, wieder ein rundum gelungener Band, der mich fesseln und begeistern konnte. Er lieferte mir wieder viele Anreize mich über die Geschichte hinaus mit den unterschiedlichsten Themen zu befassten. Die für einen Regionalkrimi typische Einbindung privater Themen seitens der Ermittler verleiht den Figuren die gewohnte Nahbarkeit, führt hier jedoch hin und wieder zu längen und einem abflachen der Spannung. Und wird je nach Lesertyp unterschiedlich wahrgenommen werden.
Was mit einer Brandleiche in einer Villa in Kronenburg und einem qualvoll ersticktem Bauunternehmer in einem Frankfurter Hochhaus beginnt entwickelt sich schnell zu einer raffiniert geplanten Mordserie.
Die Geschichte beginnt mit einem Rückblick um sich dann mit chronologisch von der Gegenwart aus weiterzuentwickeln.
Wie gewohnt wird sie aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. Als Leser erhält man so die Gelegenheit sich dem „Fall“ aus den unterschiedlichsten Richtungen zu nähern. So erfahren wir einerseits aus der Sichtweise der Verdächtigen, Involvierten, sowie des anonymen Täters ( in einer anderen Schriftart) ihre innersten Gedanken, Gefühle und Handlungsweisen und erhalten viele Puzzleteile und Andeutungen, die sich nach und nach zu einem größeren Ganzen zusammensetzten. Andererseits begleiten wir das Ermittlungsteam rund um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff/Sander bei ihrer Rekonstruktion des Falles, der Suche nach den Zusammenhängen, Motiven und natürlich dem Täter.
Gleichzeitig spielt auch das Privatleben insbesondere von Bodenstein und Kirchhoff eine nicht unbedeutende Rolle, wobei diesmal der Fokus auf Pias Privatleben liegt. Für Leser wie mich, die die Reihe verfolgen ist das ein besonderer Reiz. Diesmal waren mir persönlich Pias sich hin und wieder wiederholende Gedankengänge etwas zu viel. Diese sind ein durchaus geeignetes Mittel um Pias Arbeitsweise als intuitive Ermitteln, die im Job, wie im Privatleben über eines feines Störempfinden verfügt zu charakterieren zu veranschaulichen und so dem Leser zu verdeutlichen das sie Dinge grundsätzlich gedanklich umkreisen muss, bis die Erkenntnis in ihr reift. Für einen Reginalkrimi, der von seinen Ermittlern mit ihrem Privatleben sowie ihre kleinen Macken, sowie dem Lokalkolorit lebt, durchaus passend. Andererseits sorgten sie leider für Längen und ein Abflachen des Spannungsbogens. Da für mich der eigentliche Schwerpunkt auf dem Kriminalfall sowie den dahinterliegende Motiven liegt, waren mir diese privaten Abschweifungen doch manchmal zu viel.
Während mich die Wiederholungen beim Privatleben hin und wieder störten – galt dies nicht im Bereich der Ermittlungen, wenn die Ermittler Entdeckungen machten, oder Schlussfolgerungen zogen, die ich als Leser bereits durch andere erfahren hatte. Hier habe ich zwar als Leser einerseits einen Wissensvorsprung, anderseits erfahre ich die Details durch die Brille einer anderen Person. Dies verändert für mich jeweils die Einordnung und Bewertung. So kann ich aufgrund des Details auf Seiten der Verdächtigen Rückschlüsse auf den Charakter sowie mögliche Motive ziehen, während mir die gleichen Hinweise auf Seiten der Polizei eine ganz andere Betrachtungsweise ermöglichen. Es ist immer wieder spannend die Details daraufhin zu betrachten, wie sie den Ermittlern Rückschlüsse auf das Motiv ermöglichten oder das Ganze anhand eines kurzen Ausflugs in den Bereich der Täterpsychologie zu betrachten.
Die Charaktere sind einerseits funktional andererseits insoweit es für die Geschichte von Bedeutung ist, tief und vielschichtig ausgearbeitet. Sie gaben zumindest mir häufig einen Gedankenanstoß, sodass ich mich über die Geschichte hinaus mit einzelnen Gedanken und Themen auseinanderzusetzen. So ertappte ich mich häufiger, wie ich innehielt und mich fragte wie ich mich verhalten hätte. Oder wie sich meine Bewertung von Moral, Schuld, veränderten je nachdem aus welcher Perspektive ich ihre Handlungen betrachtete.
Besonders hängengeblieben sind mir in diesem Kontext zwei Zitate (Hörbuch Kapitel 13) mit denen ich mich länger auseinandersetzt
„Mut ist nichts anderes als der Mangel an Vorstellungskraft. Und da er grundsätzlich die Konsequenzen seines Handelns bedenken würde, könne er eben nicht guten Gewissens zustimmen.“
„Mut ist wenn man die Konsequenzen kennt und sich nicht fürchtet. Erst jetzt hatte sie sich vorstellen können was er mit dem Mangel an Vorstellungskraft meinte.“
Und auch der Titel, sowie seine Ergänzung: „Wer das Feuer stiehlt , dem wird alles zu Asche“ als Sinnbild für die Geschichte fand ich besonders gelungen und brachte mich zum Nachdenken: Wer sich etwas aneignet was ihm nicht gehört – Wissen, Macht, Vertrauen … überschreitet eine Grenze – und muss damit rechnen dass die Folgen am Ende alles zerstören und daraus Verlust, Zerstörung oder Vergeltung entsteht. Manchmal ist das, was wir unbedingt besitzen wollen, genau das, was uns am Ende zerstört.
Das Thema KI spielt zwar durchaus eine Rolle, und auch das ein oder andere aktuell viel diskutierte Thema wird angesprochen. Fokussierte sich für mich auf Ihre Bedeutung hinsichtlich der zukünftigen Ermittlungsarbeit : Wem oder was kann man trauen, wenn alles durch KI manipuliert werden kann? Kann ein perfekter Mord gelingen – wenn KI im Bruchteil einer Sekunde alle Wahrscheinlichkeiten berechnen kann?
Der Fokus bleibt bei den Beziehungen zueinander, dem Charakter der Menschen sowie deren Motiven die sie zu ihren Taten verleiten. Die Geschichte zeigt, dass zwar die Welt und insbesondere die Technik einem steten Wandel unterzogen sind. Die Motive der Menschen hingegen sich als erstaunlich zeitlos und beständig erweisen.
Die Handlung ist komplex. Wozu nicht zuletzt die Familienstruktur der Brinkoffs sowie die Verflechtungen innerhalb des Unternehmens beitrugen und erforderten einiges an Zeit. Ein Personenregister sowie der Stammbaum erleichtert es dem Leser die Verbindungen herzustellen.
Die Geschichte lässt sich angesichts der Komplexität leicht und flüssig lesen. Das Erzähltempo ist ein Wechsel aus ruhiger Ermittlungsarbeit, Einblicken in das Privatleben und immer wieder spannenden Momenten in denen die Erwartungen des Lesers auf einen weiteren Mord geschürt oder eine interessante Entdeckungen und damit ein Durchbruch erzielt werden könnte. Es gibt viele falsche Fährten (Red Herrings) seitens der Verdächtigen, Ermittlungsrichtungen die immer wieder in Sackgassen führten und letztendlich immer mehr Puzzleteile die sich nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenfügten.
Das Setting liegt wie immer im Taunus bzw. Frankfurter Raum. Für Ortskundige oder Leser die die Reihe länger verfolgen vermittelt dies immer wieder ein ganz besonderes Gefühl, sowie einen Wiedererkennungswert ( hier passierte doch XY). Die gezielt eingebauten Erinnerungen der Ermittler an vorangegangene Ermittlungen verstärkten diesen Eindruck. Gleichzeitig spielte diesmal ein weiterer Schauplatz rund um die Rekonstruktion einer Mount-Evererst Expedition eine Rolle.
Fazit:
Insgesamt ist „Alles wird Asche, wieder ein rundum gelungener Band, der mich fesseln und begeistern konnte. Er lieferte mir wieder viele Anreize mich über die Geschichte hinaus mit den unterschiedlichsten Themen zu befassten. Die für einen Regionalkrimi typische Einbindung privater Themen seitens der Ermittler verleiht den Figuren die gewohnte Nahbarkeit, führt hier jedoch hin und wieder zu längen und einem abflachen der Spannung. Und wird je nach Lesertyp unterschiedlich wahrgenommen werden.