Mensch vs. Maschine

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kissgirl Avatar

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Da ist er endlich. Der 12. Band der Taunus-Krimi-Reihe um die Kommissare Oliver von Bodenstein und Pia Sander vom K11 in Hofheim.

Diesmal haben es die Ermittler mit bizarren Morden zu tun, deren Spuren sie in die Tech-Branche, genauer in ein Unternehmen führen, das einen revolutionären KI-Chatbot entwickelt hat. Alle Mordopfer standen in enger geschäftlicher Verbindung mit dem charismatischen Firmengründer Patrick Brinkhoff, der drei Jahre zuvor bei der Besteigung des Mount Everest tödlich verunglückte. Stück für Stück deckt das Team ein familiäres und finanzielles Beziehungsgeflecht auf und kommt dem Mörder zunehmend näher.

Nele Neuhaus ist mit "Alles wird Asche" abermals ein hochspannender und darüber hinaus hochaktueller Krimi gelungen. Gerade in den letzten Monaten wurde auch der breiten Öffentlichkeit bewusst, das KI mit all ihren Möglichkeiten nicht nur ein Segen für die Menschheit sein kann, sondern auch ihre Nemesis. Nachdem sich einige KIs verselbstständigt haben, warnen selbst ihre Entwickler vor den zukünftigen Gefahren. Was diese "Büchse der Pandora" in Verbindung mit maßlosem Machtstreben, Geldgier, dem Wunsch sich selbst ein zeitloses Denkmal zu setzen und persönlichen Verletzungen anrichten kann verwebt die Autorin zu einer rasanten und vielschichtigen Jagd auf einen Mörder, dessen Beweggründe lange im Dunkeln bleiben. Die vielen Personen und Handlungsstränge fordern zu Beginn, aber dies alles zu entwirren macht gerade den Reiz aus. Und auch wenn ich bereits in der Mitte des Buches eine Vermutung hatte, die sich letztendlich bestätigte, hat die Geschichte am Schluss doch eine Wendung genommen, mit der ich so nicht gerechnet habe.

Besonders gefallen hat mir auch die Weiterentwicklung der mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsenen Hauptprotagonisten. Diesmal steht Pia Sander im Mittelpunkt, die nach ihrer vorzeitigen Rückkehr aus Afrika ihr Leben neu ordnen muss. Angenehm ist auch, dass die Charaktere bei Nele Neuhaus zwar durchaus ihre Ecken und Kanten haben, dass uns die Autorin aber diese völlig durchgeknallten Ermittler, wie sie inzwischen in vielen Krimis und Thrillern Usus sind, erspart. Und trotzdem oder gerade deswegen mangelt es den Figuren keineswegs an charakterlicher Tiefe und macht es zumindest mir persönlich viel einfacher, mich in sie hineinzuversetzen, mit ihnen mitzufiebern, mitzuleiden und mitzufreuen...es macht sie einfach sympathischer.

Von mir daher klare Leseempfehlung und volle Punktzahl verbunden mit dem Wunsch, dass ich auf Band 13 keine drei Jahre warten muss.