Mörderische Gier

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In „Alles wird Asche“ beleuchtet Nele Neuhaus ein genauso spannendes wie aktuelles Thema: es geht um die Chancen und Gefahren von künstlicher Intelligenz und dem damit einhergehenden Konflikt zwischen Gewinnstreben und ethischer Verantwortung.

Die Autorin beginnt den 12. Band ihrer Taunus-Krimireihe mit einem dramatischen Prolog: Eine heftige allergische Reaktion lässt Alice um ihr Leben fürchten. Sie kann ihren EpiPen nicht finden und stößt in ihrer Panik brennende Kerzen um. Ihre Atemnot und die sich ausbreitenden Flammen lassen Alice nicht mehr klar denken, sie stürzt sich über das Treppengeländer in den Tod. Eine Verkettung unglücklicher Umstände?

Ein paar Wochen nach diesem tragischen Ereignis wird der erfolgreiche Immobilienunternehmer Axel Wiesheu vermisst gemeldet. Man findet ihn wenige Tage später kopfüber aufgehängt im Rohbau eines Hochhauses. Ein schrecklicher Unfall? Oder womöglich Suizid?

Schon nach dem Lesen der ersten Seiten bin ich wieder im Neuhaus-Fieber und habe wie gebannt das weitere Geschehen verfolgt.

Als bei der Einweihung eines Baumwipfelweges ein weiterer Toter entdeckt wird, nimmt das Team vom K11 Hofheim die Ermittlungen auf und stolpert schnell über Zusammenhänge mit dem Fall Wiesheu. Indizien führen die Kommissare zu der milliardenschweren Brinkhoff Group - ein von dem genialen Softwareentwickler Patrick Brinkhoff gegründetes Unternehmen, das sich mit der Entwicklung eines bahnbrechenden KI-Chatbots weltweit einen Namen gemacht hat. Patrick war neben seiner Unternehmertätigkeit auch ambitionierter Bergsteiger; eine Leidenschaft, die ihm vor einigen Jahren am Mount Everest das Leben gekostet hat. Seit dem verhängnisvollen Tag brodelt es im Brinkhoffschen Imperium.

Oliver von Bodenstein und Pia Sander versuchen, sich einen Überblick über die verzweigten und verzwickten Beziehungen von Familie, Mitarbeitern und Weggefährten des verstorbenen Gründers zu verschaffen. Sie suchen nach Hinweisen, sammeln Informationen, decken Puzzlestück für Puzzlestück auf, doch die Fragmente wollen partout kein stimmiges Bild ergeben. Sie überprüfen Alibis und stellen Fragen, doch statt Antworten zu finden, stoßen sie auf die nächste Leiche.

Auch in diesem Krimi macht Nele Neuhaus wieder das, was sie am besten kann: sie bietet ihren Lesern eine vielfältige und reichhaltige Geschichte, der man trotz mehrerer Handlungsstränge, einer Vielzahl an Personen, häufiger Perspektivwechsel, unterschiedlicher Schauplätze und diverser Nebenhandlungen ohne Probleme folgen kann. Man ist auf Schritt und Tritt bei den Ermittlungen dabei und kann so prima über das Motiv und die Identität des Täters miträtseln und mitgrübeln. Das spannende Thema KI sowie interessante Einblicke in die Welt der Bergsteiger runden die Krimihandlung ganz hervorragend ab.

Als besonders gut gelungen habe ich die Figurendarstellung empfunden. Die Akteure werden alle lebensnah beschrieben und sind wunderbar vielschichtig gezeichnet. Wie in jedem ihrer Krimis gelingt es der Autorin auch hier, mich glauben zu lassen, dass so gut wie jeder Dreck am Stecken haben könnte. Geschickt lenkt sie meinen Blick von einem Verdächtigen zum nächsten und ich verfolge aufmerksam, was jeder Einzelne zu berichten hat, immer auf der Suche nach dem kleinen Hinweis, der mich der Lösung des Falls näherbringt. Als nach und nach alle Hintergründe aufgedeckt werden, bin ich wieder einmal begeistert, wie die Handlungsstränge ineinanderfließen, der Täter dingfest gemacht und alles nachvollziehbar aufgelöst wird.

„Alles wird Asche“ hat mir sehr gut gefallen - ein vielschichtig angelegter Krimi, der mich mit spannenden Ermittlungen und einer abwechslungsreichen Handlung bis zur letzten Seite gefesselt hat.