Spannend bis zum Schluss, aber mit Schwächen

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Pia Kirchhoff und Oliver Bodenstein sind für ein zwölftes Mal zurück und während ich die Adaptionen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen irgendwann frustriert aufgegeben habe, bin ich der Buchreihe von Nele Neuhaus weiterhin treu. „Alles wird Asche“ beschäftigt sich dabei diesmal mit dem Thema KI, hat aber auch im Privatleben von Pia Neues zu berichten.

Nach nun drei Jahren Pause war es doch gut, mal wieder literarisch in den Taunus zurückzukehren. Ich habe bei Neuhaus immer schon bewundert, wie sie mit den verschiedenen Perspektiven jongliert. Das ist nicht jedermanns Sache, aber ich nähere mich dem Geschehen gerne vielseitig an, um eine bessere Dynamik zu den Figuren zu erhalten und dann selbst Vermutungen anzustellen. Diesmal sind wir im Umfeld eines Unternehmens unterwegs, dessen Gründer vor einigen Jahren sein Leben beim Klettern auf dem Berg verloren hat. Er galt als Genie à la Sillicon-Valley würdig, weil er ein Programm geschaffen hat, das die Zukunft darstellen soll. In diesem Umfeld findet dann auf einmal eine Mordserie statt, die mehrere Einheiten auf den Plan ruft. Nachdem wir schon ein kleines Dorf, einen Verlag und andere sehr individuelle Personenkreise hatten, in denen sich das Geschehen entwickelt, ist so ein High-Tech-Unternehmen eine neue Idee, bei der ich aber bei meinem ersten Kritikpunkt ansetzen würde. Neuhaus haut ihre Krimis ja nicht einfach raus, da fließt schon auch viel Recherche hinein und dementsprechend fand ich das hier im 12. Band zu wenig.

KI ist ein extrem spannendes Thema und wenn ich mir beispielsweise Ursula Poznanski ansehe, dann ist sie Neuhaus um Jahre voraus. Zudem muss ich auch sagen, dass die Einbindung von KI und Prometheus als dazugehöriges Programm sehr offensichtlich war, um zumindest für das Ende einen entscheidenden Hinweis zu geben. Aber auch abseits davon hat mir eine intensivere Auseinandersetzung gefehlt. Es geht noch nicht mal um kritisch, aber da wir überall nur noch von KI reden, da hätte es mehr sein dürfen, um nicht einfach nur auf einen thematischen Zug aufgesprungen zu wirken. Auch wenn es also einen entscheidenden Hinweis gab, so will ich deswegen aber keinesfalls sagen, dass das Buch durchgängig vorhersehbar war. Nein, es hat wie immer viele Facetten gehabt, die auf verschiedene Fährten führen konnten. Ich hatte eine starke Vermutung, die sich im Nachhinein beispielsweise gar nicht nah an der Wahrheit erwiesen hat. Also dementsprechend betone ich, dass Spannung bis zum Schluss erhalten war. Durch die ganzen Perspektive war es für mich auch wieder interessant, wer sich wie entwickelt hat und wer zum überraschenden Helden der Geschichte wurde.

Abseits des Falls war ich etwas irritiert, dass so eine Zusammenarbeit mit dem K11 aus Frankfurt angezettelt wurde, gerade vor dem Hintergrund, dass die Leiterin wegen Schwangerschaftskomplikationen dann wieder von der Bildfläche verschwand. Mit ihrem Nachfolger, der mit Pia die Ausbildung gemacht hat, war eine vielversprechende Idee dabei, die aber auch dann nicht richtig verfolgt wurde. Das war für mich eher irreführend und unnötig. Ich fand aber auch schade, wie das Privatleben diesmal integriert war. Bodenstein war diesmal extrem untergeordnet. Bei Pia hat sich wahnsinnig viel getan, für mich aber sogar zu schnell. Und dann wiederum stimmte die Balance einfach nicht. Gerade wenn ich das Ende von „Monster“ bedenke, hätte man das au dem Kollegenkreis doch viel mehr rausholen können. Kollegen müssen keine Freunde sein, aber solche Buchreihen leben doch davon, dass das Ermittlerteam mehr als nur bloße Kollegen sind und davon kam hier nichts rüber. Das wirkte maximal kühl und individuell.

Fazit: Die lange Wartezeit auf „Alles wird Asche“ hat sich für mich leider nicht wie gewünscht gelohnt. Das Privatleben war nicht meins und es fühlte sich im kollegialen Umfeld alles sehr kühl an. Der Fall war definitiv der stärkere Part und hat mich auch bis zum Ende gefesselt, aber beim Thema KI hätte mehr kommen muss. Hoffentlich lohnt sich die nun startende Wartezeit dann wieder mehr. Schließlich steht Glücksband 13 an.