Wenn Moral dem Profit weicht

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Ich muss gestehen, dass ich den Einstieg etwas zäh fand. Zum einen lag es daran, dass Pia zu dem frühen Zeitpunkt noch nicht aktiv an den Ermittlungen teilnehmen konnte. Auch gab es eigentlich keinen wirklichen Fall, da dieser von einer anderen Abteilung übernommen wurde.
Stattdessen dienten die ersten 100 Seiten dazu, uns Lesern Einblicke in die Strukturen der Brinkhoff Gruppe zu geben. Im Fokus standen dabei unternehmerische Entscheidungen sowie Unstimmigkeiten zwischen dem Unternehmen selbst und der Stiftung. Auch das Erbe des verstorbenen IT-Experten Patrick Brinkhoff spielte eine entscheidende Rolle.

Da die Verflechtungen auf der Führungsebene eng sind, gleichzeitig unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und zudem familiäre Abhängigkeiten bestehen, war diese Einführung für das Verständnis definitiv wichtig. Dennoch hätte ich mir eine deutlich gestrafftere Form gewünscht.

Erst nach etwa einem Drittel des Buches kommen die Ermittlungen tatsächlich in Gang und rücken in den Mittelpunkt. Ab diesem Punkt kehrt die Autorin zu ihrer gewohnten Stärke zurück. Es herrscht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Ermittlungen und den parallelen Ereignissen innerhalb der Brinkhoff Gruppe. Diese wechselnden Perspektiven verleihen der Geschichte nun deutlich mehr Dynamik.

Da ich fast alle Bände der Reihe kenne, gehören für mich auch private Einblicke in das Leben der Ermittler dazu. Vor allem bei Pia Sander stehen entscheidende Veränderungen an, wohingegen Oliver Bodenstein kaum Erwähnung findet.

Gerade gegen Ende des Buches hatte ich allerdings zunehmend das Gefühl, manche Erklärungen und Einordnungen bereits zu kennen. Das betraf zum einen die Gedanken und Gefühle der Protagonisten. Zum anderen wurden Rollen, Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten zunächst für uns Leser aufgeschlüsselt, nur um später erneut thematisiert zu werden, sobald die Ermittler diese Zusammenhänge selbst aufdeckten. Mehr als einmal dachte ich mir „das habe ich doch bereits gelesen“. Diese Wiederholungen empfand ich als störend.

Die Ermittlungen selbst sind recht geradlinig, aber doch so angelegt, dass Motiv und Identität des Täters lange im Verborgenen bleiben. Interessant fand ich zudem die aufgeworfene Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit KI. Darf und sollte sie auch für militärische Zwecke eingesetzt werden? Hierbei trafen wirtschaftliche Interessen auf moralische Bedenken und verliehen der Handlung eine zusätzliche aktuelle Ebene.

Fazit: Unterm Strich ein etwas zu langsamer Einstieg, dann aber eine komplexe Geschichte über Freundschaft und Gier nach Geld und Macht, mit der die Autorin schließlich zu ihrer gewohnten Stärke zurückfindet.