Anspruchsvolle Lektüre mit politischem Hintergrund

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dana09 Avatar

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Die Geschichte beginnt in den 1970er Jahren. Das Land Jugoslawien existiert noch, politische und gesellschaftliche Verhältnisse waren anders als heutzutage, Ost und West waren klar getrennt und definiert.
Diese Umstände, der Zerfall Jugoslawiens, werden auch immer wieder thematisiert.
Die ältere Alma befindet sich eines Tages im April auf dem Weg zu der Insel, mit der sie viele Kindheitserinnerungen verbinden. Hier denkt sie über ihre Vergangenheit und längst vergangene Zeiten nach.
Die junge Alma wächst im nordostitalienischen Triest, einer Stadt des Zusammentreffens von Kulturen, Sprachen, Ethnien und Religionen, auf. In diesem Durcheinander müssen die Bewohner eine Gemeinsamkeit finden. Durch diese politische Zerrissenheit wird Almas Identität geprägt.
Ihr jugoslawischer Vater arbeitet immer noch für den kommunistisch-sozialistischen Regierungschef Tito und verschwindet deshalb immer wieder nach Jugoslawien. Mit ihrer chaotischen Mutter, einer Italienerin mit kultureller Bildung, hat Alma so ihre Schwierigkeiten.
Als ihr Vater eines Tages Vili, den Sohn eines Dissidenten, mit nach Hause bringt, bekommt Alma erst einen Freund und Jahre später ihre große Jugendliebe. Die beiden jungen Menschen wachsen in politisch unruhigen Zeiten auf und als der Krieg in Jugoslawien ausbricht, geht Vili zurück nach Belgrad. Alma folgt ihm.
Mit Alma hat Federica Manzon eine ungewöhnliche Geschichte geschrieben, deren Fokus unübersehbar auf den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten liegt. Dieser Umstand dürfte nicht für alle Leser von Interesse sein.

Wer anhand des sommerlichen, Urlaubsstimmung versprechenden Buchcovers eine unbeschwerte Geschichte unter südlicher Sonne erwartet, wird enttäuscht das Buch zur Seite legen.

Mir hat der spröde, etwas raue Schreibstil gefallen. Ich finde, er passt sehr gut zur damaligen Situation und den Lebensumständen in der Grenzstadt.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen. Durch die Zeitsprünge muss sich der Leser gut auf das Gelesene konzentrieren, damit er die Übersicht behält.