Auf der Suche nach Zugehörigkeit

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„Alma“ von Federica Manzon empfängt uns mit einem wie von Buntstiften gezeichneten Buchcover – ein Bild wie aus dem Urlaub in einer verwinkelten Gasse in Italien. Daraus könnte man schließen, dass den Leser ein leichter Urlaubsroman erwartet, aber ganz im Gegenteil: Die Geschichte um „Alma“ kommt mit einer Wucht um die Ecke, sodass ich die ersten 60 Seiten doppelt gelesen habe, um richtig reinzukommen. Federica Manzon schreibt in sehr langen Sätzen, wodurch manche Seiten nur aus drei Sätzen bestehen. Zur Unterbrechung nutzt sie hin und wieder einen Doppelpunkt und ich weiß, ich nutze dieses Element auch gerne, aber hier ist es mir negativ aufgefallen. Ich musste diese langen Sätze oft mehrfach lesen, weil ich am Ende des Satzes nicht mehr wusste, wie er begonnen hat. Für mich kam erschwerend hinzu, dass ich über den Balkankrieg und den Zerfall von Jugoslawien im Vorfeld nur wenig wusste. Mir hätte eine Landkarte zur Orientierung vorne oder hinten im Buch geholfen, weil ich des öfteren bei den genannten Orten nicht wusste, wo wir uns geographisch gerade befinden. Leider hat sich dieses Gefühl von „ich finde mich hier nicht richtig zu recht“ meine Leseerfahrung mit „Alma“ durchzogen: Immer wieder habe ich mich gefragt, ob ich Alma in der Vergangenheit oder in der Gegenwart begleite. Zudem hat die allwissende Erzählperspektive mir den Zugang zu Alma, ihrer Familie und Vili enorm erschwert. Vielleicht wollte die Autorin, jedoch genau dieses Gefühl erzeugen, denn Alma ist auf der Suche nach Zugehörigkeit in einem zerrütteten Land, in dem Krieg herrscht. Sie ist hin und her gerissen, rebellisch, findet keinen Halt in ihrer eigenen Familie und Vili gegenüber ist sie skeptisch und dennoch haben die beiden eine ganz besondere Verbundenheit. Ich mochte den Kontakt zwischen Alma und ihrem Opa, vor allem als sie gegen Ende bei ihm anruft und er sie auffängt.
Zum Schluss bin ich froh, dass ich an diesem Buch dran geblieben bin, kann es aber leider nur bedingt weiterempfehlen.