Bewegend

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paulamarie Avatar

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Der Roman Alma erzählt von einer jungen Frau, die nach dem Tod ihres Vaters für wenige Tage in ihre Heimatstadt Triest zurückkehrt, um familiäre Angelegenheiten und das Erbe zu regeln. Schon die Inhaltsangabe weckt großes Interesse, denn es geht um Erinnerung, Herkunft und die Frage nach Zugehörigkeit. Alma sieht sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, mit ihrer Jugendliebe Vili und mit einer Familiengeschichte, die weit über Ländergrenzen hinausreicht.

Besonders eindrucksvoll ist die sensible Darstellung von Almas innerer Zerrissenheit. Zwischen der geordneten und verlässlichen Welt ihrer Großeltern und dem unruhigen Leben bei ihren Eltern entsteht ein Spannungsfeld, das sie bis in die Gegenwart begleitet. Die Begegnungen in den alten Kaffeehäusern, die Gedanken an die Straßen Richtung Osten und die geheimnisvollen Verbindungen ihres Vaters verleihen der Geschichte eine dichte Atmosphäre. Zwischen den Zeilen spürt man das Ungesagte und Verdrängte, das Alma selbst nur schwer greifen kann.

Der Roman ist ruhig und gefühlvoll erzählt. Die Handlung entwickelt sich langsam und auf verschiedenen Zeitebenen, was der Geschichte viel Tiefe verleiht. Gleichzeitig ist der Stil stellenweise komplex. Orte und Ereignisse werden nicht immer klar benannt und zeitliche Einordnungen bleiben vage. Ohne historisches Vorwissen fällt es manchmal schwer, alles einzuordnen. Dennoch entfaltet der Roman eine starke emotionale Wirkung und regt zum Innehalten an.

Insgesamt ist Alma eine bewegende Familiengeschichte über Identität und Selbstfindung, die lange nachhallt und besonders Leser anspricht, die tiefgründige und nachdenkliche Romane schätzen