Ein neuer Blick auf Triest
Alma ist zu Zeiten des ehemaligen Jugoslawiens mit ihrer italienischen Mutter und dem jugoslawisch-stämmigen Vater in Triest aufgewachsen, zwar noch in Italien, aber unweit der jugoslawischen Grenze.
Immer wieder ist ihr Vater nach Jugoslawien gereist und hat dort alle möglichen mysteriösen Geschäfte erledigt, sogar den legendären Marschall Tito getroffen, und immer lag über all dem ein Schleier der Vorsicht, denn man wusste auch, dass das kommunistische Land zwar etwas offener gegenüber dem Westen war als die Länder unter stärkerem russischen Einfluss, aber dennoch seine Kritiker und Gegner erbarmungslos verfolgte.
Dann gibt es auch noch die italienischen Großeltern mütterlicherseits, sehr wohlhabend und auf Etikette bedacht, die nicht sehr erfreut über die Verbindung ihrer Tochter mit dem "Slawen", dem "s'chiavo", sind und einen wenig differenzierten Blick auf alles jenseits der Grenze haben, etwa nicht einmal wissen wollen, dass dort nicht nur eine einheitliche Sprache gesprochen wird und einen serbokroatisch sprechenden Jungen aus Belgrad, der kurzfristig bei der Familie untergebracht ist, in eine Schule für die slowenische Minderheit schicken.
Das Buch ist aus der Perspektive einer erwachsenen, reifen Alma erzählt, die wieder nach Triest reist, Orte ihrer Kindheit besucht und in Erinnerungen schwelgt. Dabei zeigt sich ein interessantes Bild einer Grenzregion, die so klar multikulturell geprägt ist und historisch vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt war.
Auch über das ehemalige Jugoslawien unter Tito lässt sich so einiges lernen, wobei sich das Buch leichter liest, wenn man, wie die Verfasserin dieser Rezension, über zumindest ein grundlegendes Vorwissen über diese Region und ihre Geschichte verfügt, da so einige historische Zusammenhänge angedeutet werden (z.B. wird Tito oft nur "der Marschall" genannt), ohne in aller Ausführlichkeit von Grund auf erklärt zu werden.
Was die Figuren und Erzählstruktur angeht, so war es für mich ein Buch, das Zeit und Geduld braucht. Es ist eher ein mäanderndes Hin und Her zwischen verschiedenen Erinnerungen als ein wirklich spannend erzählter kontinuierlicher Spannungsbogen. Dabei ist eine innere Distanzierung spürbar, die durchaus zum Thema passt und in sich stimmig ist, aber die Identifikation mit den Figuren nicht unbedingt erleichtert.
Es ist damit also kein Buch, das einen hineinzieht und fesselt, sondern eher eines, für das man sich bewusst Zeit nehmen muss, um sich zu entscheiden, weiterzulesen. Das heißt aber nicht, dass die Lektüre sich nicht lohnen würde: gerade in den scheinbar unzusammenhängenden Details und den vielen kleinen Erinnerungen und Szenen setzt sich insgesamt ein Horizont erweiterndes Bild einer sehr interessanten Grenzregion zusammen. Insofern hat die Lektüre meinen Blick auf Triest definitiv erweitert.
Immer wieder ist ihr Vater nach Jugoslawien gereist und hat dort alle möglichen mysteriösen Geschäfte erledigt, sogar den legendären Marschall Tito getroffen, und immer lag über all dem ein Schleier der Vorsicht, denn man wusste auch, dass das kommunistische Land zwar etwas offener gegenüber dem Westen war als die Länder unter stärkerem russischen Einfluss, aber dennoch seine Kritiker und Gegner erbarmungslos verfolgte.
Dann gibt es auch noch die italienischen Großeltern mütterlicherseits, sehr wohlhabend und auf Etikette bedacht, die nicht sehr erfreut über die Verbindung ihrer Tochter mit dem "Slawen", dem "s'chiavo", sind und einen wenig differenzierten Blick auf alles jenseits der Grenze haben, etwa nicht einmal wissen wollen, dass dort nicht nur eine einheitliche Sprache gesprochen wird und einen serbokroatisch sprechenden Jungen aus Belgrad, der kurzfristig bei der Familie untergebracht ist, in eine Schule für die slowenische Minderheit schicken.
Das Buch ist aus der Perspektive einer erwachsenen, reifen Alma erzählt, die wieder nach Triest reist, Orte ihrer Kindheit besucht und in Erinnerungen schwelgt. Dabei zeigt sich ein interessantes Bild einer Grenzregion, die so klar multikulturell geprägt ist und historisch vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt war.
Auch über das ehemalige Jugoslawien unter Tito lässt sich so einiges lernen, wobei sich das Buch leichter liest, wenn man, wie die Verfasserin dieser Rezension, über zumindest ein grundlegendes Vorwissen über diese Region und ihre Geschichte verfügt, da so einige historische Zusammenhänge angedeutet werden (z.B. wird Tito oft nur "der Marschall" genannt), ohne in aller Ausführlichkeit von Grund auf erklärt zu werden.
Was die Figuren und Erzählstruktur angeht, so war es für mich ein Buch, das Zeit und Geduld braucht. Es ist eher ein mäanderndes Hin und Her zwischen verschiedenen Erinnerungen als ein wirklich spannend erzählter kontinuierlicher Spannungsbogen. Dabei ist eine innere Distanzierung spürbar, die durchaus zum Thema passt und in sich stimmig ist, aber die Identifikation mit den Figuren nicht unbedingt erleichtert.
Es ist damit also kein Buch, das einen hineinzieht und fesselt, sondern eher eines, für das man sich bewusst Zeit nehmen muss, um sich zu entscheiden, weiterzulesen. Das heißt aber nicht, dass die Lektüre sich nicht lohnen würde: gerade in den scheinbar unzusammenhängenden Details und den vielen kleinen Erinnerungen und Szenen setzt sich insgesamt ein Horizont erweiterndes Bild einer sehr interessanten Grenzregion zusammen. Insofern hat die Lektüre meinen Blick auf Triest definitiv erweitert.