Ein Roman über Triest - Grenzstadt zwischen Ost und West

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guildenstern Avatar

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Gebundenes Buch mit einem schönen Schutzumschlag: malerische Stadtkulisse an der Adria mit einer zum Meer hin steil abfallenden Straße - das könnte eine touristische Sehenswürdigkeit sein. Die Idylle trügt: Triest, ehemals Grenzstadt am Eisernen Vorhang, an der Bruchlinie zwischen Ost und West gelegen, wurde nach dem Kriegsende 1945 mitsamt ihrem gemischtsprachigen Hinterland erfolgreich von Jugoslawien beansprucht, gehörte ab 1954 wieder zu Italien.
Der zu Ende gehende Kommunismus und seine Spielart auf dem Balkan sind untrennbar mit dem Schicksal von Alma, ihrer Familie und ihren Freunden verbunden. Alma hat als Kind lange bei den Großeltern gelebt, in einem großbürgerlichen, gepflegten, belesenen KuK Ambiente voller Kultur, in einer schönen, behaglichen, unerschütterlichen Welt. Doch diese Idylle zerbricht, weil ihre Mutter mit einem "Slawen" verheiratet ist, der scheinbar spielerisch zwischen West-Ost und Ost-West die Seiten und die Sprachen wechselt.
Sprachenvielfalt und -wirrwarr gibt es nicht nur in Almas Familie, sondern im ganzen Land. Die Menschen verstehen einander nicht, lehnen die Anderssprachigen ab, obwohl sie nun eine Nation sind. Die Wechsel, die zum Balkankrieg führten, haben die Menschen geprägt. Manchmal ist es unklar, wer auf welcher Seite steht. Wer hat mit den Grausamkeiten und Massakern an der Zivilbevölkerung angefangen - die Armee? Partisanen? Milizen? Es ist jedenfalls klar, dass Alma, ihr Vater, ihre Großeltern, Vili so wie auch alle anderen von dem Konflikt betroffen sind.
Vili, der zusammen mit Alma in deren Familie aufgewachsen ist, aber einer anderssprachigen Minderheit angehört. Vili, der sich zur Religion hingezogen fühlt und taufen lässt. Gemeinsame Kindheit und erste Jugendliebe ... Später verlieren sie sich aus den Augen. Vili engagiert sich im Widerstand und macht Kriegsfotos. Als Alma das klar wird, fährt sie zu ihm nach Belgrad und erlebt in der Folge das Grauen des Krieges, das später vertuscht wird. Keiner weiß Informationen von Gerüchten zu unterscheiden. Almas Vater ist nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien ein gebrochener Mann. Als sie zu seiner Beerdigung nach Triest kommt, erhält sie von Vili die Hinterlassenschaft ihres Vaters, eine Kiste voll mit Dokumenten, die sie erschüttern und ein ganz neues Licht auf ihre Erlebnisse werfen.
Packendes Buch für jeden, der sich für die Balkanstaaten interessiert.