Ein stiller Roman

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danshi Avatar

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Schon das Cover strahlt eine besondere Atmosphäre aus. Es wirkt ruhig und zugleich nachdenklich, fast wie ein Fenster in eine Stadt, die mehr erzählt, als man auf den ersten Blick erkennt. Die Gestaltung passt stimmig zu der Geschichte, die sich zwischen Erinnerung, Verlust und der Suche nach Identität entfaltet.

Im Mittelpunkt steht Alma, die nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurückkehrt. Diese Stadt an der Grenze zwischen Ost und West ist weit mehr als nur Kulisse. Sie wird zum Spiegel ihrer inneren Zerrissenheit. Zwischen den vertrauten Kaffeehäusern der Großeltern, den Erinnerungen an unbeschwerte Sommer und der Straße Richtung Osten, auf der ihr Vater immer wieder verschwand, tauchen alte Fragen auf, die nie wirklich beantwortet wurden. Auch die Begegnung mit Vili, ihrer Jugendliebe, bringt längst verdrängte Gefühle zurück.

Die Figuren wirken vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet. Besonders Alma erscheint als Frau, die lernen muss, ihre eigene Geschichte anzunehmen. Ihre Gedanken und Empfindungen werden einfühlsam dargestellt, ohne aufdringlich zu wirken.

Der Schreibstil ist ruhig, fast poetisch, und verlangt Aufmerksamkeit. Die Erzählweise entfaltet sich behutsam und verbindet verschiedene Zeitebenen miteinander. Dadurch entsteht eine dichte Stimmung, die lange nachhallt.

Im Fazit bleibt ein Roman, der nicht laut sein möchte, sondern durch seine Tiefe berührt. Für mich ist Alma ein Buch, das Zeit braucht und genau deshalb so eindrücklich ist. Eine klare Empfehlung für alle, die stille, anspruchsvolle Geschichten lieben.