Ein verwirrender Roman über eine zerrissene, wurzellose Protagonistin.
"Sagt mir, wer ich bin! Welche Sprache soll ich sprechen? Gebt mir ein für alle Mal einen Ort, ehe ich verrückt werde."
Mit über 50 verliert Alma ihren Vater - den sie nie wirklich gehabt hat. Er war immer nur ein Gast in ihrem Leben, gekommen, um ebenso schnell unvermittelt zu verschwinden. Nun hat er ihr ein Erbe gegeben, dass sie nicht haben will. Sie muss Vili finden, um es zu erhalten. Vili, den ihr Vater eines Tages mitgebracht hat, nach Triest auf den Karst, weil er in Gefahr war. Vili, dem sie so nahe war, ohne ihm jemals wirklich nahe gekommen zu sein.
Deshalb kommt sie nach über 20 Jahren in die Stadt zurück und erinnert sich bruchstückhaft an ihre Kindheit und Jugend.
Alma ist in Triest aufgewachsen, der Grenze zwischen Ost und West. Und sie selbst war auch immer mittendrin, ohne irgendwo dazuzugehören. Ihr Großeltern gebildet, nehmen sie in schicke Lokale mit und lernen ihr, wie wichtig Geschichte ist. Auf der anderen Seite ihre Mutter, die kaum eine Rolle spielt, und ihr Vater, für den nur die Gegenwart zählt. Übergroß in ihrer Erinnerung, immer auf der Durchreise, ein ruheloser Slawe, der auch zu niemandem gehört, mit einer fragwürdigen Verbindung zu Marschall Tito. Sie war noch ein Kind, als der Jugoslawienkonflikt begann und Vili auf einmal im Haus auftauchte. Nebulös wie ihr Vater, zu keiner Seite zugehörig. Und Alma selbst weiß auch nicht, welche Wahrheiten sie glauben soll, die der Großeltern, des Vaters, der Nachrichten?
Das Buch hat es mir nicht immer leicht gemacht, die Zeiten wechseln oft, und es sind verschwommenen Erinnerungen, teilweise eines Kindes, an denen uns die Protagonistin teilhaben lässt. Erlebnisse, von denen sie sich manchmal selbst nicht sicher ist, ob sie stattgefunden haben. Und während sie erwachsen wird, tobt rund um sie der Krieg. Ein Krieg, von dem ich - ehrlich gesagt - nicht viel weiß, fand er doch zu einer Zeit statt, als ich selber jünger war als Alma damals. Das machte es für mich oft noch schwieriger, der sprunghaften Handlung zu folgen. Oft habe ich das Buch beiseite gelegt und nach den erwähnten Orten oder Begebenheiten gegoogelt, um den historischen Kontext zu begreifen.
Die Informationsfetzen sind erschreckend, erschütternd und lassen mich zutiefst betroffen zurück.
Was dafür umso präsenter war, war Almas Zerissenheit. Ihre Eltern wollten sie so frei wie möglich erziehen, dadurch gelang es ihr nie, Wurzeln zu schlagen, die ihr Halt geben könnten. Oft war sie mitten im Kriegsgeschehen, hat darüber Artikel geschrieben, und manchmal doch nicht wirklich die Zusammenhänge verstanden. Sie kann keine Nähe zulassen, vielleicht, weil sie erlebt hat, wie sehr ihre Mutter daran zerbrochen ist, dass ihr Vater ihnen nie nahestand. Auch keine Nähe zum Leser, denn auch nach der letzten Seite ist sie mir noch fern. Ihre Großeltern hatten so ganz andere Ansichten als er, welche Meinung ist richtig, welche zählt?
Vili war ab seinem Einzug im Haus auf dem Karst immer an ihrer Seite, und doch nie wirklich bei ihr. Sie kommen sich heimlich körperlich nahe, nie romantisch. Auch in ihren 20igern fanden sie wieder zueinander, doch ihr Auseinandergehen war dramatisch. Und so fällt es ihr jetzt umso schwerer, ihn zu aufzusuchen, um das letzte Erbstück ihres Vaters zu erhalten.
Warum sollte ausgerechnet ihr Vater, der nichts von der Vergangenheit hielt, ihr diese nun nach seinem Tod unterbreiten wollen? Auch Almas Mutter bleibt nebulös. Sie hat in der "Stadt der Irren" gearbeitet, angeblich, weil sie sich für das Leben der anderen interessiert. Aber irgendwie entstand der Eindruck, dass sie sich für ihre Tochter kein bisschen interessierte.
Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, sehr viele lange Sätze, die auch ich als versierte Leserin manchmal ein zweites Mal lesen musste, um sie zu verstehen. Vieles wird nicht beim Namen genannt, das machte es mir umso schwerer, die Geschehnisse zeitlich und räumlich einzuordnen. Es wirkt eben wie die Erinnerungen eines Kindes, es ist nur "die Stadt", "die Insel" und wenn dann ein Fetzen kam, anhand dessen ich vielleicht erfahren konnte, worum es geht, habe ich nebenbei recherchiert. Das machte die Lektüre langatmig und unterbrach den ohnehin trägen Lesefluss.
Das Ende hat mich eiskalt erwischt, der ganzen Geschichte einen neuen Kontext gegeben und mich sprachlos zurückgelassen.
Fazit:
Ein verwirrender Roman über eine zerrissene, wurzellose Protagonistin.
Mit über 50 verliert Alma ihren Vater - den sie nie wirklich gehabt hat. Er war immer nur ein Gast in ihrem Leben, gekommen, um ebenso schnell unvermittelt zu verschwinden. Nun hat er ihr ein Erbe gegeben, dass sie nicht haben will. Sie muss Vili finden, um es zu erhalten. Vili, den ihr Vater eines Tages mitgebracht hat, nach Triest auf den Karst, weil er in Gefahr war. Vili, dem sie so nahe war, ohne ihm jemals wirklich nahe gekommen zu sein.
Deshalb kommt sie nach über 20 Jahren in die Stadt zurück und erinnert sich bruchstückhaft an ihre Kindheit und Jugend.
Alma ist in Triest aufgewachsen, der Grenze zwischen Ost und West. Und sie selbst war auch immer mittendrin, ohne irgendwo dazuzugehören. Ihr Großeltern gebildet, nehmen sie in schicke Lokale mit und lernen ihr, wie wichtig Geschichte ist. Auf der anderen Seite ihre Mutter, die kaum eine Rolle spielt, und ihr Vater, für den nur die Gegenwart zählt. Übergroß in ihrer Erinnerung, immer auf der Durchreise, ein ruheloser Slawe, der auch zu niemandem gehört, mit einer fragwürdigen Verbindung zu Marschall Tito. Sie war noch ein Kind, als der Jugoslawienkonflikt begann und Vili auf einmal im Haus auftauchte. Nebulös wie ihr Vater, zu keiner Seite zugehörig. Und Alma selbst weiß auch nicht, welche Wahrheiten sie glauben soll, die der Großeltern, des Vaters, der Nachrichten?
Das Buch hat es mir nicht immer leicht gemacht, die Zeiten wechseln oft, und es sind verschwommenen Erinnerungen, teilweise eines Kindes, an denen uns die Protagonistin teilhaben lässt. Erlebnisse, von denen sie sich manchmal selbst nicht sicher ist, ob sie stattgefunden haben. Und während sie erwachsen wird, tobt rund um sie der Krieg. Ein Krieg, von dem ich - ehrlich gesagt - nicht viel weiß, fand er doch zu einer Zeit statt, als ich selber jünger war als Alma damals. Das machte es für mich oft noch schwieriger, der sprunghaften Handlung zu folgen. Oft habe ich das Buch beiseite gelegt und nach den erwähnten Orten oder Begebenheiten gegoogelt, um den historischen Kontext zu begreifen.
Die Informationsfetzen sind erschreckend, erschütternd und lassen mich zutiefst betroffen zurück.
Was dafür umso präsenter war, war Almas Zerissenheit. Ihre Eltern wollten sie so frei wie möglich erziehen, dadurch gelang es ihr nie, Wurzeln zu schlagen, die ihr Halt geben könnten. Oft war sie mitten im Kriegsgeschehen, hat darüber Artikel geschrieben, und manchmal doch nicht wirklich die Zusammenhänge verstanden. Sie kann keine Nähe zulassen, vielleicht, weil sie erlebt hat, wie sehr ihre Mutter daran zerbrochen ist, dass ihr Vater ihnen nie nahestand. Auch keine Nähe zum Leser, denn auch nach der letzten Seite ist sie mir noch fern. Ihre Großeltern hatten so ganz andere Ansichten als er, welche Meinung ist richtig, welche zählt?
Vili war ab seinem Einzug im Haus auf dem Karst immer an ihrer Seite, und doch nie wirklich bei ihr. Sie kommen sich heimlich körperlich nahe, nie romantisch. Auch in ihren 20igern fanden sie wieder zueinander, doch ihr Auseinandergehen war dramatisch. Und so fällt es ihr jetzt umso schwerer, ihn zu aufzusuchen, um das letzte Erbstück ihres Vaters zu erhalten.
Warum sollte ausgerechnet ihr Vater, der nichts von der Vergangenheit hielt, ihr diese nun nach seinem Tod unterbreiten wollen? Auch Almas Mutter bleibt nebulös. Sie hat in der "Stadt der Irren" gearbeitet, angeblich, weil sie sich für das Leben der anderen interessiert. Aber irgendwie entstand der Eindruck, dass sie sich für ihre Tochter kein bisschen interessierte.
Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, sehr viele lange Sätze, die auch ich als versierte Leserin manchmal ein zweites Mal lesen musste, um sie zu verstehen. Vieles wird nicht beim Namen genannt, das machte es mir umso schwerer, die Geschehnisse zeitlich und räumlich einzuordnen. Es wirkt eben wie die Erinnerungen eines Kindes, es ist nur "die Stadt", "die Insel" und wenn dann ein Fetzen kam, anhand dessen ich vielleicht erfahren konnte, worum es geht, habe ich nebenbei recherchiert. Das machte die Lektüre langatmig und unterbrach den ohnehin trägen Lesefluss.
Das Ende hat mich eiskalt erwischt, der ganzen Geschichte einen neuen Kontext gegeben und mich sprachlos zurückgelassen.
Fazit:
Ein verwirrender Roman über eine zerrissene, wurzellose Protagonistin.