Fehlende Bindung
Als der Vater der inzwischen 50jährigen Alma stirbt, reist sie zurück nach Triest, dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Hier soll Vili, den ihr Vater einst in ihre Familie brachte, ihr ihr Erbe übergeben. An diesem Ort wird Alma heimgesucht von den Erinnerungen an ihre Familie, ihre Kindheit und ihre erste Liebe …
Federica Manzon, italienische Autorin und Verlegerin, legt mit „Alma“ ihren ersten auch auf Deutsch erschienenen Roman vor, der bereits vielfach ausgezeichnet und in neun Sprachen übersetzt wurde.
Positiv zu erwähnen ist die wunderschöne Sprache, die Federica Manzon verwendet. Anspruchsvoll und beinahe als künstlerisch zu bezeichnen, möchte man etliche Sätze aufschreiben und bewahren.
Allerdings ist der Schreibstil insgesamt alles andere als leicht zu lesen, denn die Autorin springt von Gedanke zu Gedanke und verliert sich in Zeit und Raum. Ein roter Faden ist schwer zu finden, wirkliche Spannung kam bei mir nicht auf, und so wurde ich lange Zeit nur angetrieben von dem Wunsch, endlich zu erfahren, was denn nun das Erbe Almas Vater sein würde.
Manzon scheut davor, Zeiten und Namen der Orte zu nennen, was es mir zusätzlich schwer machte. Sie lässt Alma häufig in Gedanken an „die Insel“ oder „die Hauptstadt“ verweilen, was die Geschichte in meinen Augen undurchschaubarer machte.
Alma, die in Triest aufwuchs, einer Stadt mit einem spannenden historischen Werdegang, wird mehr oder meist weniger erzogen von einer Mutter, die in „der Stadt der Irren“ arbeitet, wohin sie Alma oft mitnimmt, einem Vater, der als rechte Hand des Marschall Tito meist durch Abwesenheit glänzt und ihren intellektuellen Großeltern, mit denen sie die österreichische Kaffeekultur in der Stadt genießt. Echte Nähe wird Alma nicht zuteil, was sich schließlich durch ihr ganzen Leben zieht – und auch nicht zu den Leser*Innen aufkommt. Manzon lässt Alma sich erinnern, aber Gefühle oder Wertungen der Hauptfigur erfahren wir nicht. Nicht nur Alma, sondern ihre ganze Familie blieb mir fremd. Diese doch recht ungewöhnliche Art, die Figuren zu zeichnen, ließ bei mir mehr Fragen offen, als beantwortet wurden. Trotzdem – oder vielleicht oder gerade deshalb – herrscht ein Gefühl von Melancholie, Zerrissenheit, Entwurzelung und fehlender Heimat.
Dass Triest durch eine wechselhafte Geschichte mit Einflüssen aus Italien, Österreich-Ungarn und Slowenien gekennzeichnet ist, klang immer wieder an. Allerdings hatte ich häufig das Bedürfnis, die Lektüre durch weitere Informationen ergänzen zu müssen und forschte immer wieder im Internet nach.
Während ich bei den geschilderten Kriegsgrauen zunächst an die Jugoslawienkriege (von 1991 bis 2001), die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren, dachte, an die ich mich gut erinnern kann, deuten die Anspielungen auf den Marschall Tito jedoch auf frühere Kriege hin.
Wirklich etwas gelernt oder verstanden habe ich leider nicht direkt durch die Lektüre, sondern durch meine zusätzlich erworbenen Informationen.
Obwohl ich große Erwartungen an den Roman hatte, fand ich leider nicht wirklich einen Zugang zu Figuren und Handlung und bleibe enttäuscht zurück, obwohl Sprache und Themen durchaus lobenswert waren.
Federica Manzon, italienische Autorin und Verlegerin, legt mit „Alma“ ihren ersten auch auf Deutsch erschienenen Roman vor, der bereits vielfach ausgezeichnet und in neun Sprachen übersetzt wurde.
Positiv zu erwähnen ist die wunderschöne Sprache, die Federica Manzon verwendet. Anspruchsvoll und beinahe als künstlerisch zu bezeichnen, möchte man etliche Sätze aufschreiben und bewahren.
Allerdings ist der Schreibstil insgesamt alles andere als leicht zu lesen, denn die Autorin springt von Gedanke zu Gedanke und verliert sich in Zeit und Raum. Ein roter Faden ist schwer zu finden, wirkliche Spannung kam bei mir nicht auf, und so wurde ich lange Zeit nur angetrieben von dem Wunsch, endlich zu erfahren, was denn nun das Erbe Almas Vater sein würde.
Manzon scheut davor, Zeiten und Namen der Orte zu nennen, was es mir zusätzlich schwer machte. Sie lässt Alma häufig in Gedanken an „die Insel“ oder „die Hauptstadt“ verweilen, was die Geschichte in meinen Augen undurchschaubarer machte.
Alma, die in Triest aufwuchs, einer Stadt mit einem spannenden historischen Werdegang, wird mehr oder meist weniger erzogen von einer Mutter, die in „der Stadt der Irren“ arbeitet, wohin sie Alma oft mitnimmt, einem Vater, der als rechte Hand des Marschall Tito meist durch Abwesenheit glänzt und ihren intellektuellen Großeltern, mit denen sie die österreichische Kaffeekultur in der Stadt genießt. Echte Nähe wird Alma nicht zuteil, was sich schließlich durch ihr ganzen Leben zieht – und auch nicht zu den Leser*Innen aufkommt. Manzon lässt Alma sich erinnern, aber Gefühle oder Wertungen der Hauptfigur erfahren wir nicht. Nicht nur Alma, sondern ihre ganze Familie blieb mir fremd. Diese doch recht ungewöhnliche Art, die Figuren zu zeichnen, ließ bei mir mehr Fragen offen, als beantwortet wurden. Trotzdem – oder vielleicht oder gerade deshalb – herrscht ein Gefühl von Melancholie, Zerrissenheit, Entwurzelung und fehlender Heimat.
Dass Triest durch eine wechselhafte Geschichte mit Einflüssen aus Italien, Österreich-Ungarn und Slowenien gekennzeichnet ist, klang immer wieder an. Allerdings hatte ich häufig das Bedürfnis, die Lektüre durch weitere Informationen ergänzen zu müssen und forschte immer wieder im Internet nach.
Während ich bei den geschilderten Kriegsgrauen zunächst an die Jugoslawienkriege (von 1991 bis 2001), die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren, dachte, an die ich mich gut erinnern kann, deuten die Anspielungen auf den Marschall Tito jedoch auf frühere Kriege hin.
Wirklich etwas gelernt oder verstanden habe ich leider nicht direkt durch die Lektüre, sondern durch meine zusätzlich erworbenen Informationen.
Obwohl ich große Erwartungen an den Roman hatte, fand ich leider nicht wirklich einen Zugang zu Figuren und Handlung und bleibe enttäuscht zurück, obwohl Sprache und Themen durchaus lobenswert waren.