Identität, Erinnerung, Verlust und Zugehörigkeit

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nikko_yarop Avatar

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„Alma“ ist ein stiller, berührender Roman, der lange nachwirkt. Schon beim Lesen spürt man die Intimität und Menschlichkeit der Geschichte – sie entfaltet sich ruhig, ohne Effekthascherei, und lädt zum Nachdenken ein. Man nimmt sich Zeit, die Seiten zu genießen, statt sie hastig umzublättern.

Besonders beeindruckend ist die Feinfühligkeit, mit der die Autorin Emotionen beschreibt. Die Gedanken und Gefühle der Figuren wirken ehrlich und echt, fast so, als würde jemand seine innersten Gedanken vorsichtig teilen. Man kann sich leicht in die Protagonistin Alma hineinversetzen und wird oft dazu angeregt, über das eigene Verhalten in ähnlichen Situationen nachzudenken.

Die Erzählweise ist ruhig, poetisch und dennoch fesselnd. „Alma“ ist kein lauter Roman, sondern einer, der sich langsam ins Herz schleicht. Geduld zahlt sich aus: Wer sich auf die Geschichte einlässt, wird mit einer intensiven, nachdenklichen Lektüre belohnt.

Die Handlung ist komplex und vielschichtig: Zeitsprünge und wechselnde Familienkonstellationen machen den Einstieg anspruchsvoll, doch sobald sich die Ebenen ordnen, entfaltet die Geschichte ihre volle Kraft. Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück – eine Stadt, die mehr als nur Kulisse ist und als Spiegel ihrer inneren Zerrissenheit dient. Dort begegnet sie alten Erinnerungen, ihrer Jugendliebe Vili und ungelösten Fragen aus der Vergangenheit. Die Figuren wirken authentisch, ihre inneren Konflikte nachvollziehbar.

Die Autorin verbindet persönliche Geschichten mit historischen und politischen Kontexten, insbesondere Krieg und dessen Folgen. Dies wird eindringlich und manchmal verstörend geschildert, wodurch das Buch sehr realistisch wirkt. Fotografische Illustrationen bereichern das Leseerlebnis zusätzlich und lassen die Erinnerungsräume lebendig werden.

„Alma“ ist ein Roman über Identität, Erinnerung, Verlust und Zugehörigkeit – leise, aber tiefgreifend. Er fordert Aufmerksamkeit und Zeit, belohnt jedoch mit einer emotionalen Tiefe, die lange im Kopf bleibt. Für alle, die stille, anspruchsvolle Geschichten mit atmosphärischer Dichte und empathischen Figuren schätzen, ist dieses Buch eine klare Leseempfehlung.