Komplex
Der Roman „Alma“ führt nach Triest, eine Stadt an der Schnittstelle zwischen Ost- und Westeuropa, die hier nicht nur Kulisse, sondern ein zentraler Raum für Identitäts- und Zugehörigkeitsfragen ist. Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Alma dorthin zurück, begegnet ihrer Jugendliebe Vili wieder und setzt sich zugleich mit ihrer Familiengeschichte auseinander, die sowohl durch die Habsburger Vergangenheit der Großeltern als auch durch die Arbeit des Vaters für den Diktator Tito geprägt war.
Besonders gefallen haben mir Sprache und Stimmung des Romans. Der Text ist ruhig, oft leicht melancholisch und nimmt sich Zeit für Orte, Erinnerungen und Gedanken. Dadurch entsteht eine geheimnisvolle Atmosphäre, die neugierig macht und zum Mitdenken anregt. Gerade zu Beginn musste ich mich etwas einlesen, weil vieles nur angedeutet wird – etwa die Frage, warum Almas Vater in Italien lebt und zugleich Verbindungen nach Jugoslawien und zu Tito hat. Diese historische Dimension fand ich zunächst sehr spannend. Im Verlauf wurde mir der geschichtliche Hintergrund allerdings stellenweise etwas zu anspruchsvoll. Ich habe einiges über die Balkankriege nachgelesen, um Zusammenhänge besser zu verstehen und hätte mir hier ein erklärendes Nachwort gewünscht. Gerade weil im Roman auch Fotografien eingebunden sind, die eng mit der Handlung verknüpft wirken, wäre es außerdem interessant gewesen zu erfahren, wie viel autobiografisch oder autofiktional angelegt ist.
Trotz dieser kleinen Hürden ist „Alma“ ein atmosphärisch dichter Roman, der vor allem durch seine Sprache und sein Nachdenken über die Bedeutung von Raum und Grenzen überzeugt. Wer sich für Familiengeschichten interessiert, die eng mit europäischer Zeitgeschichte verwoben sind, und bereit ist, sich auf Andeutungen einzulassen, wird hier eine spannende Lektüre finden.
Besonders gefallen haben mir Sprache und Stimmung des Romans. Der Text ist ruhig, oft leicht melancholisch und nimmt sich Zeit für Orte, Erinnerungen und Gedanken. Dadurch entsteht eine geheimnisvolle Atmosphäre, die neugierig macht und zum Mitdenken anregt. Gerade zu Beginn musste ich mich etwas einlesen, weil vieles nur angedeutet wird – etwa die Frage, warum Almas Vater in Italien lebt und zugleich Verbindungen nach Jugoslawien und zu Tito hat. Diese historische Dimension fand ich zunächst sehr spannend. Im Verlauf wurde mir der geschichtliche Hintergrund allerdings stellenweise etwas zu anspruchsvoll. Ich habe einiges über die Balkankriege nachgelesen, um Zusammenhänge besser zu verstehen und hätte mir hier ein erklärendes Nachwort gewünscht. Gerade weil im Roman auch Fotografien eingebunden sind, die eng mit der Handlung verknüpft wirken, wäre es außerdem interessant gewesen zu erfahren, wie viel autobiografisch oder autofiktional angelegt ist.
Trotz dieser kleinen Hürden ist „Alma“ ein atmosphärisch dichter Roman, der vor allem durch seine Sprache und sein Nachdenken über die Bedeutung von Raum und Grenzen überzeugt. Wer sich für Familiengeschichten interessiert, die eng mit europäischer Zeitgeschichte verwoben sind, und bereit ist, sich auf Andeutungen einzulassen, wird hier eine spannende Lektüre finden.