Ein Schreck der zusammenführt
Wieder mal ein neuer Roman von Alexa Hennig von Lange! So toll, ich liebe ihre anderen Romane schon sehr und bin auch auf diesen Text gespannt!
Der Text arbeitet sehr geschickt mit dem Kontrast zwischen Gemütlichkeit und Unbehagen. Da sind weiche Betten, warmer Porridge, knisternde Kaminatmosphäre – und gleichzeitig die dunkle Scheibe, in der Liliane eine Gestalt zu erkennen glaubt. Die Sprache bleibt zunächst erstaunlich ruhig und beobachtend. Gerade dadurch funktioniert die Spannung: Sie wird nicht herbeigeschrieben, sondern schleicht sich zwischen die Sätze.
Der Schreibstil stark visuell und atmosphärisch. Die karierten Vorhänge, die matschigen Gummistiefel, die alten Fotografien, Degen, Medaillen und Hochlandrinder ergeben fast eine filmische Kulisse. Man sieht dieses abgelegene Haus förmlich vor sich. Gleichzeitig wird die Umgebung nie bloß dekorativ. Sie bekommt etwas Abgeschlossenes, beinahe Unheimliches. Je weiter Liliane sich vom Speisesaal entfernt, desto mehr verschwindet die gesellschaftliche Wärme – bis nur noch die dunkle Landschaft und ihre Angst übrig bleiben.
Besonders gelungen finde ich, wie der Roman das Verschwinden des Vaters mit Lilianes eigener Lebensgeschichte verschränkt. Denn schon bevor wir verstehen, was zwischen Vater und Tochter eigentlich passiert ist, spürt man: Hier ist sehr viel Ungesagtes. Der Vater ist nicht einfach ein alter Mann, der sich heimlich auf eine Wanderung begibt. Er scheint jemand zu sein, an dem Liliane sich ihr Leben lang abgearbeitet hat – und von dem sie gleichzeitig geprägt wurde. Sein „Reiß dich zusammen!“ wird zu einer Art emotionalem Erbe.
Und dann ist da noch dieser bemerkenswerte Ton: Der Roman erzählt schwere Dinge erstaunlich beiläufig.Selbstmord, Scheidung, Entfremdung vom Sohn, ein alter Vater, der allein durch die Wildnis läuft – nichts davon wird melodramatisch ausgestellt. Stattdessen stehen solche Informationen neben Cappuccino, Pappbecher, Korbtasche und Azaleenblütenstaub. Gerade diese Mischung macht Liliane glaubwürdig. Sie lebt ihren Alltag weiter, während unter seiner Oberfläche längst alles in Bewegung ist.
Am stärksten bleibt für mich aber das Bild: Liliane steht vor der weißen Tür ihres Vaters. Sie klingelt. Einmal. Zweimal. Nichts.
Mein erster Eindruck: Ein atmosphärischer, sehr zugänglicher Romananfang, der seine Spannung weniger aus spektakulären Ereignissen als aus familiären Leerstellen entwickelt.
Besonders neugierig macht mich Liliane selbst: Was hat sie von ihrem Vater übernommen? Warum sucht sie ausgerechnet die Unberechenbarkeit, die sie gleichzeitig zu belasten scheint? Und vor allem: Was bedeutet diese Wanderung wirklich?
Der Text arbeitet sehr geschickt mit dem Kontrast zwischen Gemütlichkeit und Unbehagen. Da sind weiche Betten, warmer Porridge, knisternde Kaminatmosphäre – und gleichzeitig die dunkle Scheibe, in der Liliane eine Gestalt zu erkennen glaubt. Die Sprache bleibt zunächst erstaunlich ruhig und beobachtend. Gerade dadurch funktioniert die Spannung: Sie wird nicht herbeigeschrieben, sondern schleicht sich zwischen die Sätze.
Der Schreibstil stark visuell und atmosphärisch. Die karierten Vorhänge, die matschigen Gummistiefel, die alten Fotografien, Degen, Medaillen und Hochlandrinder ergeben fast eine filmische Kulisse. Man sieht dieses abgelegene Haus förmlich vor sich. Gleichzeitig wird die Umgebung nie bloß dekorativ. Sie bekommt etwas Abgeschlossenes, beinahe Unheimliches. Je weiter Liliane sich vom Speisesaal entfernt, desto mehr verschwindet die gesellschaftliche Wärme – bis nur noch die dunkle Landschaft und ihre Angst übrig bleiben.
Besonders gelungen finde ich, wie der Roman das Verschwinden des Vaters mit Lilianes eigener Lebensgeschichte verschränkt. Denn schon bevor wir verstehen, was zwischen Vater und Tochter eigentlich passiert ist, spürt man: Hier ist sehr viel Ungesagtes. Der Vater ist nicht einfach ein alter Mann, der sich heimlich auf eine Wanderung begibt. Er scheint jemand zu sein, an dem Liliane sich ihr Leben lang abgearbeitet hat – und von dem sie gleichzeitig geprägt wurde. Sein „Reiß dich zusammen!“ wird zu einer Art emotionalem Erbe.
Und dann ist da noch dieser bemerkenswerte Ton: Der Roman erzählt schwere Dinge erstaunlich beiläufig.Selbstmord, Scheidung, Entfremdung vom Sohn, ein alter Vater, der allein durch die Wildnis läuft – nichts davon wird melodramatisch ausgestellt. Stattdessen stehen solche Informationen neben Cappuccino, Pappbecher, Korbtasche und Azaleenblütenstaub. Gerade diese Mischung macht Liliane glaubwürdig. Sie lebt ihren Alltag weiter, während unter seiner Oberfläche längst alles in Bewegung ist.
Am stärksten bleibt für mich aber das Bild: Liliane steht vor der weißen Tür ihres Vaters. Sie klingelt. Einmal. Zweimal. Nichts.
Mein erster Eindruck: Ein atmosphärischer, sehr zugänglicher Romananfang, der seine Spannung weniger aus spektakulären Ereignissen als aus familiären Leerstellen entwickelt.
Besonders neugierig macht mich Liliane selbst: Was hat sie von ihrem Vater übernommen? Warum sucht sie ausgerechnet die Unberechenbarkeit, die sie gleichzeitig zu belasten scheint? Und vor allem: Was bedeutet diese Wanderung wirklich?