Klassischer Einstieg
Mit einem klassischen erzählerischen Kniff steigt Alexa Hennig von Lange in ihren Roman ein: Der Text setzt mitten in einer spannenden Episode der Haupthandlung ein. Man befindet sich mit der Bestsellerautorin Liliane mitten in Schottland, wo ihr 89-jähriger Vater mitten in der Nacht unbemerkt aus einer Herberge verschwindet, um auf eigene Faust eine letzte Wanderung durch die rauen Highlands anzutreten. Durch den anschließenden Zeitsprung – „Fünf Tage zuvor“ – zieht die Autorin die Erklärungsfolie auf und erlaubt es, die Hintergründe schrittweise zu entwirren. Der Rückblick zeichnet das Bild einer Frau an einem Wendepunkt ihres Lebens: Liliane verarbeitet die frische Trennung nach zwanzig Ehejahren, kämpft mit der Entfremdung von ihrem Sohn und steht vor dem rätselhaften Verschwinden ihres betagten Vaters. Eine geheimnisvolle Entdeckung – ein alter Aktenordner voller Briefe aus dem Schottland der 1960er-Jahre – deutet bereits darauf hin, dass dieser spontane Aufbruch des Vaters eng mit Familiengeheimnissen verknüpft ist. Der Wechsel von der atemlosen Verfolgungsjagd in den schottischen Highlands zur ruhigeren Spurensuche macht neugierig auf das Beziehungsgeflecht der Generationen und auf die Pfade, die die Figuren in ihre Vergangenheit zurückführen.