Abschiedsreise

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brigitteb Avatar

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Liliane ist Schriftstellerin, geschieden und zum volljährigen Sohn hat sie ein schwieriges Verhältnis. Auf der Heimreise von ihrem Urlaub erreicht sie ein Notruf: Ihr 89-jähriger Vater, ein kompromissloser Sturkopf, hat sich vorgenommen, noch einmal durch Schottland zu wandern, wie einst als junger Mann. Dabei hat er einen Herzinfarkt erlitten und liegt im Spital. Sofort reist Liliane nach Schottland, in der Absicht, den Vater in die Heimat zu bringen. Der eigensinnige und prinzipientreue Mann hat jedoch im Sinn, die Reise zu vollenden, wie er es geplant hat. In der Not sieht die Tochter sich gezwungen, ihn auf seinem verrückten Wandertrip zu begleiten. Bald steht fest, dass es die letzte Reise des Vaters sein wird. Seine Kräfte schwinden von Tag zu Tag und es ist für Liliane schmerzhaft, dass der vermeintlich bärenstarke Vater doch nicht unzerstörbar ist. Sie erkennt aber auch, dass es die letzte Gelegenheit ist, endlich alles Unausgesprochene, wie z.B. den frühen Tod der Mutter, zu klären.

Der Roman besticht durch eine flüssige und feine Erzählsprache, die auch die Zwischentöne und das Ungesagte organisch miterfasst. Die Autorin lässt das Innenleben der Figuren sich entfalten wie eine Landschaft. Die Kräfteumkehr zwischen Vater und Tochter haben eine ungeheure Wucht, denn die Figuren müssen ihren Platz in der Familie plötzlich neu verorten. Die schottischen Highlands sind eine grandiose Kulisse für diese Transformationsprozesse der Charaktere.

Ein ergreifendes, aber nicht sentimentales Buch über den letzten Weg eines Vaters. Und ein bewegendes Zeugnis einer Tochter, die ihre allerletzte Chance einer Annäherung wahrnimmt, und dabei auch einen ehrlichen und unverstellten Blick auf sich selbst richtet.