Alte Pfade, gepflastert mit Ungesagtem

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jollybooktime Avatar

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"Warum hatte er überhaupt eine Familie gegründet, wenn er seinen Weg doch am liebsten allein ging?" (S. 84)

Fast fünfzig, geschieden, ihr Mann war ihr immer viel zu vernünftig, zu wenig abenteuerlustig, so ganz anders als ihr Vater, den Liliane nun aus einem schottischen Krankenhaus abholen muss. Der fast Neunzigjährige denkt nach seinem Herzinfarkt aber nicht an Schonung. Er will durch die Highlands an die Nordküste wandern. Liliane bleibt nichts anderes übrig, als ihn zu begleiten. Von Steinhütte zu Steinhütte stapfen Vater und Tochter durch die malerische Landschaft ihrem Ziel entgegen. Doch das ist weniger ein Ort als eine Aufgabe, die es noch zu bearbeiten gilt. Hinter ihnen liegen alte Pfade, gepflastert mit Ungesagtem. Ein gemeinsamer Weg, auf dem allmählich Raum für Fragen, Erinnerungen und eine vorsichtige Annäherung entsteht.

Was hatte Lilianes Mutter dazu gebracht, ihre Kinder und den Mann zu verlassen, indem sie sich vor einen Zug warf? Und wie viel von dieser Vergangenheit trägt Liliane noch immer mit sich herum? Ist sie wirklich eine Frau, die nicht gelernt hat, ein Wir zu sein, weil ihr die Vorbilder fehlten?

Ich hätte ihn anschreien wollen, diesen unreflektierten, sturen Mann! Der die Entscheidungen anderer nur schwer mit seinem eigenen Verhalten in Verbindung bringt.
Alexa Hennig von Lange führt ihre Figuren nicht hin zu einer einfachen, schnellen Versöhnung. Es geht um das mühsame Betrachten dessen, was war und um die Frage, ob wir die Rollen, in die wir hineingewachsen sind, irgendwann ablegen können. Und darum, wie viel wir von dem, was wir für unsere eigenen Entscheidungen halten, von unseren Eltern übernommen haben.