Berührend
Liliane hat ihre Mutter schon früh verloren. Als ihr fast neunzigjähriger Vater nach einem Herzinfarkt in Schottland trotzig darauf besteht, die raue Wildnis der Highlands auf dem Weg zu durchqueren, den er bereits als junger Mann gewählt hatte, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihn auf dieser beschwerlichen Tour zu begleiten. Was als besorgter Rettungsversuch beginnt, wird mitten in der unberührten Natur zu einer Reise in die Vergangenheit. Umgeben von Weite und Stille begegnen sich Vater und Tochter noch einmal ganz neu und stellen sich den Dingen, die seit Jahrzehnten ungesagt zwischen ihnen standen.
Dieses Buch hat mich zutiefst berührt – es kam für mich scheinbar genau zur richtigen Zeit. Die Charaktere sind authentisch und echt gezeichnet, ohne Stereotypen, dafür mit Ecken und Kanten – Menschen, die mir im echten Leben genau so begegnen könnten. Der Vater ist auf den ersten Blick sturköpfig und bockig, aber eben auch ein Kind seiner Zeit: Nach dem Suizid seiner Frau musste er einfach funktionieren. Erst auf dieser Wanderung beginnt er ganz langsam, seine Rüstung abzulegen und ein wenig Verständnis bei seiner Tochter zu erzeugen. Liliane wiederum wirkt anfangs wie eine beschützende Übermutter, die große Mühe hat, das Heft aus der Hand zu geben. Fernab ihres Alltags fängt sie jedoch an, ihre Rollen als Tochter, Mutter und Ehefrau zu hinterfragen. Ein interessanter Anker ist dabei auch ihr verständnisvoller Ex-Mann Frederik, dem eine ganz besondere Rolle zukommt und dessen Beziehung zu ihr in diesem dichten und atmosphärischen Werk ebenfalls beleuchtet wird.
Der Schreibstil hat mich sehr berührt. Auf der einen Seite werden die Highlands landschaftlich anschaulich und voller Leben beschrieben – sie sind nicht nur Kulisse, sondern vermitteln eine Freiheit, die im starken Kontrast zu den aufgewühlten Erinnerungen steht. Auf der anderen Seite ist der Schreibstil dicht und emotional, dabei in seinen Dialogen ergreifend und lebensecht. Gerade das Wechselspiel aus der gewaltigen Natur und den kurzen, intensiven Gesprächsfetzen macht den Roman zu einem echten Pageturner.
Besonders nahe gegangen ist mir der Umgang mit dem Thema Abschied. Man ahnt natürlich, wo diese Reise enden wird, und schließlich schließt sich auch ein emotionaler Kreis. Die Selbstbestimmung des Vaters wird nicht künstlich dramatisiert, sondern als konsequenter Teil seines eigenen Willens erzählt. Das hilft schließlich auch Liliane und ihrem Bruder Georg, ihren Frieden zu finden. Lediglich eine zufällige Begegnung im letzten Drittel wirkte auf mich etwas konstruiert und für die Geschichte nicht wirklich notwendig. Diese hätte ich nicht gebraucht, aber das ist Meckern auf hohem Niveau und ich konnte es gut ausblenden.
Mein Fazit
Ein wundervoller, zutiefst berührender Roman über Nähe, Loslassen und Selbstbestimmung. Eine gefühlvolle Geschichte, die der Aussöhnung von Vater und Tochter dient, angesiedelt in der wundervollen und wirklich bildgewaltigen Kulisse Schottlands. Eine Erzählung über die Frage, wie viel von unseren Eltern in uns weiterlebt. Für mich ein absolutes Herzensbuch!
Dieses Buch hat mich zutiefst berührt – es kam für mich scheinbar genau zur richtigen Zeit. Die Charaktere sind authentisch und echt gezeichnet, ohne Stereotypen, dafür mit Ecken und Kanten – Menschen, die mir im echten Leben genau so begegnen könnten. Der Vater ist auf den ersten Blick sturköpfig und bockig, aber eben auch ein Kind seiner Zeit: Nach dem Suizid seiner Frau musste er einfach funktionieren. Erst auf dieser Wanderung beginnt er ganz langsam, seine Rüstung abzulegen und ein wenig Verständnis bei seiner Tochter zu erzeugen. Liliane wiederum wirkt anfangs wie eine beschützende Übermutter, die große Mühe hat, das Heft aus der Hand zu geben. Fernab ihres Alltags fängt sie jedoch an, ihre Rollen als Tochter, Mutter und Ehefrau zu hinterfragen. Ein interessanter Anker ist dabei auch ihr verständnisvoller Ex-Mann Frederik, dem eine ganz besondere Rolle zukommt und dessen Beziehung zu ihr in diesem dichten und atmosphärischen Werk ebenfalls beleuchtet wird.
Der Schreibstil hat mich sehr berührt. Auf der einen Seite werden die Highlands landschaftlich anschaulich und voller Leben beschrieben – sie sind nicht nur Kulisse, sondern vermitteln eine Freiheit, die im starken Kontrast zu den aufgewühlten Erinnerungen steht. Auf der anderen Seite ist der Schreibstil dicht und emotional, dabei in seinen Dialogen ergreifend und lebensecht. Gerade das Wechselspiel aus der gewaltigen Natur und den kurzen, intensiven Gesprächsfetzen macht den Roman zu einem echten Pageturner.
Besonders nahe gegangen ist mir der Umgang mit dem Thema Abschied. Man ahnt natürlich, wo diese Reise enden wird, und schließlich schließt sich auch ein emotionaler Kreis. Die Selbstbestimmung des Vaters wird nicht künstlich dramatisiert, sondern als konsequenter Teil seines eigenen Willens erzählt. Das hilft schließlich auch Liliane und ihrem Bruder Georg, ihren Frieden zu finden. Lediglich eine zufällige Begegnung im letzten Drittel wirkte auf mich etwas konstruiert und für die Geschichte nicht wirklich notwendig. Diese hätte ich nicht gebraucht, aber das ist Meckern auf hohem Niveau und ich konnte es gut ausblenden.
Mein Fazit
Ein wundervoller, zutiefst berührender Roman über Nähe, Loslassen und Selbstbestimmung. Eine gefühlvolle Geschichte, die der Aussöhnung von Vater und Tochter dient, angesiedelt in der wundervollen und wirklich bildgewaltigen Kulisse Schottlands. Eine Erzählung über die Frage, wie viel von unseren Eltern in uns weiterlebt. Für mich ein absolutes Herzensbuch!