Ein letzter Weg

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Die fast 50-jährige Liliane Lahusen war nach der Trennung von ihrem Mann zum ersten Mal allein mit dem Auto in Urlaub gefahren und wollte auf der Rückfahrt nur kurz bei ihrem betagten Vater Klaus Station machen. Ein Anruf aus Schottland zwingt sie jedoch, kurzerhand Europa bis an die Nordspitze zu durchqueren. Mit 89 Jahren hatte ihr Vater beschlossen, in Erinnerung an seine Studentenzeit der 1960er den Weg zum Ben Hope an der Nordspitze Schottlands noch einmal zu gehen, war dabei mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen und lag nun mit frischem Stent in einem schottischen Krankenhaus. Der Anruf der schottischen Krankenschwester bei Liliane hatte so dringend geklungen, dass sie sich sofort auf den Weg nach Schottland macht. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihrem Vater direkt aus dem Krankenbett in Sommerschuhen in die Highlands zu folgen, obwohl sie überzeugt ist, dass er die Anstrengung nicht überleben wird. Ihre Erinnerungen an ihren Vater als Sturkopf und gnadenlosen Antreiber auf Wanderungen, an den Selbstmord ihrer Mutter, die sich nie erklärt hatte, und ihre eigene gescheiterte Beziehung zu ihrem Ex Frederick fügen sich zu der Einsicht, dass der alte Lahusen als Kriegs- und Flüchtlingskind die Härte seines eigenen Vaters übernommen hatte. Seit seiner Flucht als Neunjähriger erlaubt er sich keine Abweichung von seinen Grundsätzen, um nicht zusammenzubrechen.

Lilianes Mutter hatte er stets vorgeworfen, sie hätte sich ihm nur fügen müssen und ihre Rolle als Frau und Mutter klaglos tragen, anstatt sich zu sorgen. Die drei Kinder sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass ihnen Jammern nicht zusteht, weil sie eben nicht 1945 vor der anrückenden Roten Armee zu Fuß von Potsdam nach Hannover geflüchtet sind.

Fazit
Alexa Hennig von Lange folgt dem transgenerationalen Trauma der Kriegs- und Flüchtlingskinder bis in die Gegenwart und konfrontiert ihre knapp 50-jährige Protagonistin mit ihrem Scheitern als Ehefrau und Mutter, die das Dogma vom „Zusammenreißen“ unreflektiert lebt, ohne sich damit auseinanderzusetzen. Ein gelungenes Psychogramm einer Familie mit unbearbeitetem Kriegstrauma, das mich sprachlich jedoch streckenweise mit einer Schwemme banaler Adjektive genervt hat.