Stimmt mich nachdenklich
Ich bin ja schon lange ein Fan von Alexa Hennig von Lange, aber „Alte Pfade“ habe ich direkt in einem Rutsch weggelesen – einerseits, weil der Schreibstil wie gewohnt so angenehm ist: spannend, leicht und zugleich tiefgründig. Und andererseits konnte ich mich einfach super mit der Protagonistin identifizieren: Im Mittelpunkt steht die schwierige Beziehung der 48-jährigen Liliane zu ihrem 89-jährigen Vater. Als er in den schottischen Highlands einen Herzinfarkt erleidet, reist sie ihm nach – und begleitet ihn auf seinem letzten großen Wunschweg bis zur nördlichsten Spitze Schottlands. Während sie gemeinsam durch die raue Landschaft wandern, in Feldsteinhütten übernachten und von Unwettern überrascht werden, öffnen sie sich zum ersten Mal wirklich: über die Kriegskindheit des Vaters, den frühen Tod der Mutter und all das, was zwischen ihnen nie gesagt wurde. Genau diese Mischung aus äußerer Reise und innerer Annäherung hat mich total gepackt. Ich konnte mich super in Liliane hineinversetzen, ihre Konflikte, ihr Zögern, ihr allmähliches Verstehen – das alles fühlte sich sehr echt an. Besonders beeindruckt hat mich, wie die Autorin zeigt, wie sehr die Härte des Vaters Lilianes eigene Beziehungen zu Männern und sogar das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der Roman ist atmosphärisch dicht, einfühlsam und ohne Pathos geschrieben. Ein Buch, das berührt, ohne zu überfordern – und das zum Nachdenken über die eigenen „alten Pfade“ anregt. Von mir gibt’s eine absolute Leseempfehlung!