Dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Schwester, die besser tot geblieben wäre. 🌊👻
Worum geht es?
Soojin kennt die Regeln ihrer Magie eigentlich genau: Bringe niemals etwas zurück, das größer ist als deine Handfläche. Doch diese Regel war leichter einzuhalten, bevor ihre Schwester Mirae im Fluss ertrank.
Von Trauer und Einsamkeit überwältigt, nutzt Soojin die Magie ihrer Vorfahren und holt Mirae zurück zu den Lebenden. Zunächst scheint es tatsächlich wie ein Wunder. Doch Mirae verändert sich. Sie wird rastlos, zunehmend unheimlich und entwickelt einen immer stärkeren Hunger nach Rache. Gleichzeitig wird die kleine Küstenstadt von heftigem Regen und ungewöhnlichen Todesfällen heimgesucht.
Und irgendwann muss sich Soojin fragen: Ist die Schwester, die sie zurückgebracht hat, wirklich noch dieselbe?
Meine Gedanken:
Ich bin ein großer Fan von fernöstlich geprägten Mythen und Geschichten, weil sie für mich einfach immer eine ganz besondere Atmosphäre mitbringen. Und auch hier hat genau das richtig gut funktioniert.
Der Geister- beziehungsweise Wiedergänger-Mythos hat der Geschichte etwas Unheimliches gegeben. Dazu kommen einzelne Szenen, die durchaus für Grusel und auch ein bisschen Ekel sorgen. Gerade diese Mischung aus Trauer, Magie und etwas, das eigentlich nicht mehr in die Welt der Lebenden gehört, mochte ich sehr.
Wenn Tote nicht tot bleiben:
Für mich lag die größte Stärke ganz klar in der Idee hinter Miraes Rückkehr.
Soojin handelt aus Liebe und Verzweiflung. Sie kann ihre Schwester nicht gehen lassen – und genau dadurch setzt sie etwas in Gang, das sie nicht mehr kontrollieren kann. Ich mochte diesen Gedanken sehr: Wie weit würde man gehen, um einen geliebten Menschen zurückzubekommen? Und was passiert, wenn man genau das bekommt, was man sich gewünscht hat – nur eben nicht so, wie man es sich vorgestellt hat?
Gerade die Themen Trauer und Loslassen funktionieren dadurch sehr gut und geben dem Horror etwas Emotionales.
Soojin:
Soojin hat es mir bis zum Ende hin nicht leicht gemacht. Ich konnte bei ihr einfach kaum Entwicklung erkennen. Kein echtes Reflektieren, kein Innehalten, sondern immer wieder impulsive Entscheidungen, die für mich nur schwer nachvollziehbar waren.
Natürlich verstehe ich, dass ihre Trauer sie antreibt und dass sie ihre Schwester um jeden Preis zurückhaben will. Aber irgendwann hätte ich mir gewünscht, dass sie sich ernsthaft mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzt. Stattdessen stolpert sie für meinen Geschmack zu oft von einer fragwürdigen Entscheidung in die nächste. Gerade deshalb war ich umso froher, dass Mark Moon an ihrer Seite war. Ihn mochte ich wirklich total gerne. Er ist ruhig, loyal und bleibt Soojin auch dann zur Seite, wenn sie es ihm nicht leicht macht. Für mich war er der emotionale Gegenpol zu ihrem impulsiven Wesen.
Familienmythen & Wiedergeburt:
Wunderbar fand ich die eingestreuten Geschichten und Familienmythen rund um Wiedergeburt und Auferstehung.Besonders hängen geblieben ist mir die fiktive Erzählung von dem Huhn, das immer wieder zum Leben erweckt wurde, um das Volk zu nähren. Diese Vorstellung fand ich gleichzeitig faszinierend, märchenhaft und ein bisschen unheimlich.
Genau solche kleinen Geschichten geben der Familienmagie für mich zusätzliche Tiefe. Sie wirken nicht wie bloße Erklärungen, sondern wie Überlieferungen, die über Generationen weitergetragen wurden. Und genau das mag ich an solchen Geschichten so sehr: alte Regeln, Familiengeheimnisse und die Frage, was passiert, wenn man Grenzen überschreitet, die besser unangetastet geblieben wären.
Grusel mit angezogener Handbremse:
So sehr mir die Grundidee gefallen hat, ganz gepackt hat mich der Horror allerdings nicht immer. Es gibt definitiv Szenen, die unangenehm, eklig oder richtig schön unheimlich sind. Aber insgesamt war mir Mirae stellenweise einfach "zu nett".Bei einem Wiedergänger, der langsam von Rache zerfressen wird, hätte ich mir noch etwas mehr Bedrohlichkeit gewünscht. Mehr dieses Gefühl: Da ist zwar noch deine Schwester – aber irgendetwas stimmt ganz und gar nicht mit ihr. Genau dieses Unbehagen war zwar vorhanden, hätte für meinen Geschmack aber noch stärker sein dürfen.
Etwas zu vorhersehbar:
Auch die Entwicklung der Schwestern fand ich irgendwann etwas vorhersehbar.Einige Wendungen und Enthüllungen konnte ich relativ früh erahnen. Dadurch hat mich die Geschichte emotional zwar weiterhin erreicht, aber die großen Überraschungsmomente blieben für mich etwas aus. Das fand ich schade, weil die Ausgangsidee wirklich viel Potenzial hat.
Trotzdem wollte ich wissen, wohin Miraes Rache führt und welche Konsequenzen Soojins Entscheidung am Ende haben wird.
Was bleibt?
And the River Drags Her Down hat mir insgesamt wirklich gut gefallen.
Ich mochte die düstere Atmosphäre, die F
Ahnenmagie und besonders die Idee, dass Trauer und Liebe jemanden dazu bringen können, eine Grenze zu überschreiten, die besser unangetastet geblieben wäre.
Soojin selbst hat es mir durch ihre impulsiven Entscheidungen und die fehlende Entwicklung allerdings nicht leicht gemacht. Dafür mochte ich Mark umso mehr.
Der Horror hätte für mich etwas kompromissloser sein dürfen und einige Entwicklungen waren ziemlich vorhersehbar.
Aber gerade die Mischung aus Schwesternschaft, Trauer, Ahnenmagie und Wiedergängern hat für mich gut funktioniert.
Manchmal ist Loslassen vielleicht schmerzhafter als Festhalten – aber eben auch notwendiger.
🦉🦉🦉🦉 / 5
Vier Eulen für dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Geschichte darüber, dass manche Türen zur Welt der Toten besser geschlossen bleiben. 🌊👻🖤
Soojin kennt die Regeln ihrer Magie eigentlich genau: Bringe niemals etwas zurück, das größer ist als deine Handfläche. Doch diese Regel war leichter einzuhalten, bevor ihre Schwester Mirae im Fluss ertrank.
Von Trauer und Einsamkeit überwältigt, nutzt Soojin die Magie ihrer Vorfahren und holt Mirae zurück zu den Lebenden. Zunächst scheint es tatsächlich wie ein Wunder. Doch Mirae verändert sich. Sie wird rastlos, zunehmend unheimlich und entwickelt einen immer stärkeren Hunger nach Rache. Gleichzeitig wird die kleine Küstenstadt von heftigem Regen und ungewöhnlichen Todesfällen heimgesucht.
Und irgendwann muss sich Soojin fragen: Ist die Schwester, die sie zurückgebracht hat, wirklich noch dieselbe?
Meine Gedanken:
Ich bin ein großer Fan von fernöstlich geprägten Mythen und Geschichten, weil sie für mich einfach immer eine ganz besondere Atmosphäre mitbringen. Und auch hier hat genau das richtig gut funktioniert.
Der Geister- beziehungsweise Wiedergänger-Mythos hat der Geschichte etwas Unheimliches gegeben. Dazu kommen einzelne Szenen, die durchaus für Grusel und auch ein bisschen Ekel sorgen. Gerade diese Mischung aus Trauer, Magie und etwas, das eigentlich nicht mehr in die Welt der Lebenden gehört, mochte ich sehr.
Wenn Tote nicht tot bleiben:
Für mich lag die größte Stärke ganz klar in der Idee hinter Miraes Rückkehr.
Soojin handelt aus Liebe und Verzweiflung. Sie kann ihre Schwester nicht gehen lassen – und genau dadurch setzt sie etwas in Gang, das sie nicht mehr kontrollieren kann. Ich mochte diesen Gedanken sehr: Wie weit würde man gehen, um einen geliebten Menschen zurückzubekommen? Und was passiert, wenn man genau das bekommt, was man sich gewünscht hat – nur eben nicht so, wie man es sich vorgestellt hat?
Gerade die Themen Trauer und Loslassen funktionieren dadurch sehr gut und geben dem Horror etwas Emotionales.
Soojin:
Soojin hat es mir bis zum Ende hin nicht leicht gemacht. Ich konnte bei ihr einfach kaum Entwicklung erkennen. Kein echtes Reflektieren, kein Innehalten, sondern immer wieder impulsive Entscheidungen, die für mich nur schwer nachvollziehbar waren.
Natürlich verstehe ich, dass ihre Trauer sie antreibt und dass sie ihre Schwester um jeden Preis zurückhaben will. Aber irgendwann hätte ich mir gewünscht, dass sie sich ernsthaft mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzt. Stattdessen stolpert sie für meinen Geschmack zu oft von einer fragwürdigen Entscheidung in die nächste. Gerade deshalb war ich umso froher, dass Mark Moon an ihrer Seite war. Ihn mochte ich wirklich total gerne. Er ist ruhig, loyal und bleibt Soojin auch dann zur Seite, wenn sie es ihm nicht leicht macht. Für mich war er der emotionale Gegenpol zu ihrem impulsiven Wesen.
Familienmythen & Wiedergeburt:
Wunderbar fand ich die eingestreuten Geschichten und Familienmythen rund um Wiedergeburt und Auferstehung.Besonders hängen geblieben ist mir die fiktive Erzählung von dem Huhn, das immer wieder zum Leben erweckt wurde, um das Volk zu nähren. Diese Vorstellung fand ich gleichzeitig faszinierend, märchenhaft und ein bisschen unheimlich.
Genau solche kleinen Geschichten geben der Familienmagie für mich zusätzliche Tiefe. Sie wirken nicht wie bloße Erklärungen, sondern wie Überlieferungen, die über Generationen weitergetragen wurden. Und genau das mag ich an solchen Geschichten so sehr: alte Regeln, Familiengeheimnisse und die Frage, was passiert, wenn man Grenzen überschreitet, die besser unangetastet geblieben wären.
Grusel mit angezogener Handbremse:
So sehr mir die Grundidee gefallen hat, ganz gepackt hat mich der Horror allerdings nicht immer. Es gibt definitiv Szenen, die unangenehm, eklig oder richtig schön unheimlich sind. Aber insgesamt war mir Mirae stellenweise einfach "zu nett".Bei einem Wiedergänger, der langsam von Rache zerfressen wird, hätte ich mir noch etwas mehr Bedrohlichkeit gewünscht. Mehr dieses Gefühl: Da ist zwar noch deine Schwester – aber irgendetwas stimmt ganz und gar nicht mit ihr. Genau dieses Unbehagen war zwar vorhanden, hätte für meinen Geschmack aber noch stärker sein dürfen.
Etwas zu vorhersehbar:
Auch die Entwicklung der Schwestern fand ich irgendwann etwas vorhersehbar.Einige Wendungen und Enthüllungen konnte ich relativ früh erahnen. Dadurch hat mich die Geschichte emotional zwar weiterhin erreicht, aber die großen Überraschungsmomente blieben für mich etwas aus. Das fand ich schade, weil die Ausgangsidee wirklich viel Potenzial hat.
Trotzdem wollte ich wissen, wohin Miraes Rache führt und welche Konsequenzen Soojins Entscheidung am Ende haben wird.
Was bleibt?
And the River Drags Her Down hat mir insgesamt wirklich gut gefallen.
Ich mochte die düstere Atmosphäre, die F
Ahnenmagie und besonders die Idee, dass Trauer und Liebe jemanden dazu bringen können, eine Grenze zu überschreiten, die besser unangetastet geblieben wäre.
Soojin selbst hat es mir durch ihre impulsiven Entscheidungen und die fehlende Entwicklung allerdings nicht leicht gemacht. Dafür mochte ich Mark umso mehr.
Der Horror hätte für mich etwas kompromissloser sein dürfen und einige Entwicklungen waren ziemlich vorhersehbar.
Aber gerade die Mischung aus Schwesternschaft, Trauer, Ahnenmagie und Wiedergängern hat für mich gut funktioniert.
Manchmal ist Loslassen vielleicht schmerzhafter als Festhalten – aber eben auch notwendiger.
🦉🦉🦉🦉 / 5
Vier Eulen für dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Geschichte darüber, dass manche Türen zur Welt der Toten besser geschlossen bleiben. 🌊👻🖤